nach wie vor versauert der Antrag der GRÜNEN auf Einführung eines SozialPasses im Sozialausschuss. Schon zweimal wurde seither der Wucherpreis des Mainzer Sozialtickets noch weiter erhöht auf mittlerweile 52,50 Euro. Mittlerweile wird nicht einmal mehr die fortgesetzte Steigerung des Wucherpreises von den lokalen Zeitungen thematisiert, vom Skandal an sich, dem von Mainzer Sozialausweis-Berechtigten menschenwürdig nicht einzulösenden Grundrecht auf Mobilität, ganz zu schweigen, erst recht vom Skandal im Skandal mit dem 9-Uhr-Monatsticket, das ein wenig kostengünstiger zu gestalten ist als das sogenannte Sozialticket, obwohl es mit (selbstverständlicher) S-Bahn-Benutzung, Mitnahmeregelung und Übertragbarkeit deutlich mehr bietet.
Am Mittwoch, den 25. Januar 2012, feiere ich ein unglaubliches Jubiläum: Seit nun schon drei Jahren nehme ich Busse und Bahnen im Verkehrsverbund Mainz Wiesbaden (VMW) ohne Ticket in Anspruch, um die Gewährleistung des Grundrechts auf ein menschenwürdiges Existenzminimum (mit sozialer, kultureller und politischer Mindestteilhabe gemäß dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 9. Februar 2010) für den Kreis aller Berechtigten einzufordern: Her mit dem SozialPass mit einem Mobilitätsanteil in Höhe von maximal 15 Euro!
Weil es viele Geschichten zu erzählen gibt -- von tapferen MitstreiterInnen und inkompetenten Kontrolleuren; vom Urteil des Amtsgerichts Mainz im gerichtlichen Mahnverfahren der ESWE Verkehr Gmbh, in dem der Richter die Aktion ignoriert, absurd persönliche Tipps für natürlich längst rechtskräftig abschlägig beschiedene Antragslösungen abgibt und mir/uns das Recht auf ein mit dem Grundrecht auf Mobilität korrespondierendes Sozialticket-Angebot abspricht; von den Kontrolleuren der MVG, die mich mittlerweile (überwiegend bewusst) häufiger nicht aufgeschrieben haben, als dass sie mir ein Schwarzfahrtenticket verpasst hätten; und last but not least vom bevorstehenden Strafverfahren beim Amtsgericht Wiesbaden, das schon bald zum Auslöser des Widerstandsfalls und damit eines Bürgerkriegs inmitten von Deutschland zu werden verspricht --, werde ich am Mittwoch bei einigen Ortsterminen die Gelegenheit bieten, dieser Erfahrungen teilhaftig zu werden:
um 11:00 Uhr am Neubrunnenplatz um 12:30 Uhr am Kardinal-Volk-Platz um 14:00 Uhr Am Brand und nach kurzer Busfahrt um 15:30 Uhr am Hauptbahnhof
Liebe Leute,
das mit weitem Abstand auf Fluglärm, Hundesteuer oder Kürzungen am Staatstheater wichtigste Thema Mainzer Politik wird seit vielen Jahren vernachlässigt, obwohl es kurz davor steht, die Gesellschaft endgültig -- nämlich in Bürgerkriegsparteien! -- zu spalten. Morgen gebe ich den Journalisten die Gelegenheit, ihre Rückstände aufzuarbeiten und endlich angemessen zu berichten. Ich plane, denen bei jeder Gelegenheit durchgehend Rede und Antwort zu stehen und bin daher gespannt, ob jemand auftaucht!
Franz Hohler (aus der Schweiz) ist ein Dichter, soweit klar. Letztens fand ich auf einem Kaufhaus-Wühltisch seine Lyrik-Sammlung "Vom richtigen Gebrauch der Zeit" (PDF-Leseprobe) und las mich ein wenig rein. Da findet man Sachen, über die man schon mal anderswo stoßen konnte:
Die Selbstgerechten Und als der Irak Kuweit überfiel – habt ihr da auch demonstriert?
So fragen uns die die selber nie demonstrieren
und falten die Hände über den Bäuchen.
Dabei herrscht die freie Form vor. Dann auf einmal: ein gereimtes Gedicht. Ist eine Art Heimatgedicht, eine stimmungsvolle Fingerübung für Dichter. Hat mich trotzdem umgehauen. Also so richtig: Hyperventilation, weit aufgerissene Augen, das volle Programm totaler Ergriffenheit! Es ist schließlich auch eine Metapher für den "Rasenden Stillstand" nach Paul Virilio und Hartmut Rosa ("Beschleunigung - Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne"). Da in der Leseprobe keines der im Anschluss folgenden Serie von insgesamt vier gereimten Gedichte wiedergegeben wird, dachte ich mir, ich präsentiere dieses eine hier mal nach Art der Wissensgesellschaft - frei und unbeschränkt:
Abend, hoch oben Die Birken sammeln das letzte Licht die Felsen schimmern fahl die Häuser verlieren ihr Gewicht der Himmel sinkt ins Tal.
Der Bach folgt seinem alten Lauf von weit ein Glockenschlag ein Flugzeug schlitzt die Dämm'rung auf dann stirbt auch dieser Tag.
Wie kalt und klein die Sterne sind wie groß der Eichenbaum er rauscht im dunklen Abendwind als hätt er einen Traum.
Aufgrund des irritierenden Interviews mit Joachim Gauck durch die Kundenzeitschrift "alverde" des dm Drogeriemarktes (inkl. Gauck-Portrait auf dem Titelbild!) ging eben diese E-Mail an die Redaktion von "alverde" raus:
Sehr geehrte Frau Hildebrandt,
dass "alverde" ausgerechnet in Zeiten der Krise des bzw. mit dem amtierenden Bundespräsidenten Christian Wulff ein Interview ausgerechnet mit seinem damaligen Gegenkandidaten Joachim Gauck veröffentlicht, irritiert uns im höchsten Maße!
Zu dieser publizistischen Instinktlosigkeit kommt die politische Orientierungslosigkeit noch erschwerend hinzu, mit der Sie persönlich im Editorial auf eine "Schlüsselfigur der deutschen Wiedervereinigung" verweisen. Dass mir weder zu jener Zeit noch seither zu Ohren gekommen ist, welche konkrete Rolle dieser Mann im Prozess der Wiedervereinigung 1989/90 ausgefüllt und welche Bedeutung sie überhaupt dafür gehabt haben soll, mögen Sie mir persönlich anlasten. Aber wozu sollten solche Kenntnisse reichen??
Joachim Gauck kenne ich vor allem als realitätsfernen "Freiheitspathetiker" (wie Sie es selbst im Interview einleitend bemerken), der gar nicht zur Kenntnis nehmen KANN, in welchem Ausmaß und mit welchem rapiden Tempo die Freiheit der Menschen in Deutschland zusammenschrumpft und schwindet und welche Schuld gerade die politische Klasse damit auf sich lädt. Allein der Komplex Hartz IV und Elterngeld betrifft viele Millionen Menschen, die -- wie Götz W. Werner nicht müde wird zu betonen -- ökonomisch UND soziologisch abgehängt und ausgeschlossen ("exkludiert") werden ("offener Strafvollzug"). Welche Rolle kann ein solcher Mann denn schon in der Wiedervereinigung gespielt haben, der so blind ist gegenüber massiven Freiheitsdefiziten und so gefühlsarm im Angesicht bitterster Armut?
Erschwerdend kommt seine Tätigkeit als Leiter der (dann nach ihm benannten) "Gauck-Behörde" hinzu, in der er für mich zum Inbegriff des Amtsmissbrauchs wurde, weil er -- in Zeiten des konservativen Bundeskanzlers Kohl -- immer wieder Akten oder auch nur Gerüchte über überwiegend linksgerichtete Personen des öffentlichen Lebens an die Presse lancierte, wie es den Mächtigen gerade, etwa unmittelbar vor Wahlen, in den Kram passte.
Es ist und bleibt ein Mysterium für uns, wie dieser Mann ausgerechnet von SPD und Bündnis 90/Die Grünen als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten aufgestellt werden konnte und jetzt auch noch erneut ins Gespräch gebracht wird, als wären sämtliche Mitglieder beider Parteien blind gegenüber den persistenten Charakterschwächen und politischen Verfehlungen dieses Mannes.
Darum war das Interview mit Joachim Gauck in der "alverde" zur Unzeit wie ein Schlag ins Gesicht jedes billig und gerecht denkenden Menschen!
Und dies ist umso tragischer, als in der gleichen Ausgabe Götz W. Werner dazu aufruft, die "Verführung zum Verweilen in der Routine", hier etwa: der Routine irreführender Berichterstattung über Joachim Gauck als "Bürgerrechtler", zu durchbrechen, und Georg Schramm, auch schon als Bundespräsident ins Gespräch gebracht, in der beigehefteten "a tempo"-Ausgabe über die "systematische Verblödung" betreibende "selbsterannte bürgerliche Elite" herzieht, die "unser Bildungssystem regelrecht verkommen" und "Familien in materielle Bedrängnis geraten" lässt.
Schramms Kollege Volker Pispers wird noch deutlicher [1] über den "Mann, der die DDR eigenhändig zur Strecke brachte": "Und wenn man so liest, was der Herr Pastor und zeitweilige Bundespräsendentenkandiat der Herzen als ausgewiesener Fachmann [aktuell!] zu dem Wirtschaftssystem, das gerade vor unser aller Augen zusammenbricht, zu sagen hat, dann müssten SPD und GRÜNE heute eigentlich auf Knien dafür danken, dass die Linkspartei damals seine Wahl zum Bundespastor verhindert hat." "Vom Kapitalismus profitierende Gestalten wie Joachim Gauck leben angstfrei in dem Wissen, dass sie weder in dieser noch in einer anderen Welt jemals für ihr Reden und Handeln zur Verantwortung gezogen werden. Und das ist wirklich unsäglich, wenn nicht sogar abscheulich."
In diesem Sinne verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
Nach kurzer Zeit erreichte mich tatsächlich eine Antwort, ein Dank für meine "offenen Worte" und eine Erklärung, dass das Interview mit "Herrn Gauck" im November vergangenen Jahres geführt worden und die Januar-Ausgabe von alverde Anfang Dezember 2011 in Druck gegangen sei. Zu diesem Zeitpunkt sei für die Redaktion die Diskussion um den Bundespräsidenten nicht abzusehen gewesen... Ich musste reagieren:
Sehr geehrte Frau Hildebrandt,
offene Worte sind natürlich mein Markenzeichen als Kandidat für das Amt des Mainzer Oberbürgermeisters ebenso wie als Blogger. Nichtsdestotrotz danke ich Ihnen herzlich für Ihre freimütige Anerkennung in dieser an Anerkennung so armen Zeit! (Apropos: Axel Honneths "Das Recht der Freiheit" wäre doch ein passendes Thema für die "alverde"!)
Ihre Erläuterung kann freilich nur erklären, wie ein Gauck-Interview in gerade diese Ausgabe der "alverde" geraten konnte. Schleierhaft ist uns hingegen nach wie vor, warum die "alverde" mit einem Interview ausgerechnet mit Joachim Gauck, der wie kein anderer für Realitätsferne, mangelnde Empathie, doppelte Maßstäbe und unverfroren elitäre Dreistigkeit gegenüber der Normalbevölkerung steht, ihren Ruf als der Nachhaltigkeit und dem Erhalt zivilisatorischer Werte verpflichtetes Kundenmagazin überhaupt aufs Spiel setzt!!
Ein Interview mit so jemandem war doch, ganz unabhängig von der Wulff-Krise, schon im November 2011 genauso überflüssig -- um nicht zu sagen kontraproduktiv -- wie im Erscheinungsmonat Januar 2012. Die von Gauck in Ihrem Interview so affektiert "hochgeachtete" Piratenpartei würde sagen: Don't feed the troll! Für zum bloßen Selbstzweck die öffentliche Aufmerksamkeit heischende Trolle wie Gauck ist Aufmerksamkeit wie eine Droge; solche Trolle gehören durch unentwegtes Ignorieren durch eine fatalen Gestalten wie Gauck gegenüber wachsame Öffentlichkeit in die totale Isolation abgedrängt, die ihnen die eigene Bedeutungslosigkeit widerspiegelt. Jedes Quentchen Aufmerksamkeit animiert solche Trolle nur, fortgesetzt ihre hohlen Phrasen zu dreschen im Missverständnis, es würde noch irgend jemanden interessieren...
Ich bitte nun Sie ums offene Wort und verbleibe mit freundlichen Grüßen
Nach einem "vielen Dank für die interessante Darstellung Ihrer Einschätzung" wurde mir erklärt, dass man als Kundenmagazin Persönlichkeiten vorstellen möchte, die für die Leser von Interesse seien. "Herr Gauck" vertrete politische Standpunkte, "die viele Menschen interessieren oder sogar teilen". Dass das Bild, das man sich von dieser Person mache, ganz unterschiedlich ausfallen könne, zeige meine "deutliche Position" genauso wie auch "die zahlreichen positiven Stimmen, die uns zu diesem Interview erreicht haben". Abschließend meinte Frau Hildebrandt, sie würde sich freuen, wenn sie mit ihren Zeilen Verständnis für ihren Standpunkt habe wecken können.
Entschuldigen Sie vielmals,
verehrte Frau Hildebrandt,
aber naturgemäß konnten Sie keineswegs Verständnis für den Standpunkt Ihrer Redaktion wecken -- im Gegenteil: Ihre Nachricht über die "zahlreichen positiven Stimmen", die Sie von anderer Seite zum Gauck-Interview erreicht hätten, bestätigt doch nur unsere schlimmsten Befürchtungen: Die Feinde unserer Demokratie, unserer pluralistischen Gesellschaft und auch unserer Freiheit, Leute wie eben Gauck, aber auch Sarrazin, Sloterdijk, Paul Nolte, Hans-Werner Sinn, Ackermann, Asmussen, Riester, Raffelhüschen usw., werden in der Breite der Bevölkerung schon gar nicht mehr als ihre Feinde erkannt!! Sie legen an dieser Stelle Zeugnis ab für die uns bevorstehende größtmögliche Tragödie unserer Zeit: die Wiederholung der Geschichte als Farce!
Faschismus 2.0, weil auf bloßen Konsum ausgerichtete Medien entgegen jeder Vernunft (und hier entgegen ihren eigenen Ansprüchen in Sachen Nachhaltigkeit) kritiklos alles bringen, was die Leute irgendwie interessieren dürfte. Damals haben sich die Leute für Hitler und Hugenberg interessiert, heute interessieren sie sich halt für Gauck (oder Wulff, fast egal), zu Guttenberg, Sarrazin und Maschmeyer. Damit ist alles ausgeschlossen, wofür sich die Leute sofort interessieren würden, wenn man es ihnen bloß einmal in ihren bedrängten Alltag hinein servieren würde, etwas, das Alternativen, Lösungen, neue Ideen, Diskussionsanlässe, Moral, Hoffnung bietet.
Ich will und kann mich nicht damit abfinden, dass Sie in einer so verantwortungsvollen Position diese Zivilisation so willfährig einem - mit ein wenig gutem Willen vermeidbaren - grausamen Schicksal überantworten!
Ist ja klasse! Deichkind hat die Wissensgesellschaft durchschaut und in Musik verpackt, wie man die Wissensgesellschaft gegen das Establishment erobert!
Deichkind
Illegale Fans
"Acht Millionen, schieß doch, Bulle, schieß!"
Wir tanzen um den Feuerberg aus lodernden CDs. Die Netzwerke sind scharfgestellt in unseren WGs. Dort fahrn wir die Systeme hoch und wippen uns in Rage. 99 Cent fürn Track verpuffen in der Blase. Die Dixie-Klos vom Hurricane schenken wir Lars Ulrich. Dort kann er gerne kacken gehen, Hacker sind geduldig. Keine Macht für Niemand, wir werden uns nicht stellen. Ihr seid das Imperium und wir sind die Rebellen!
Wir sind illegale, illegale, illegale Fans illegale, illegale, illegale Fans illegale, illegale, illegale Fans illegale, radikale, digtale Fans
Dieses Lied ist leider nicht verfügbar in Ihrm Land. Unsere Antwort kennt ihr sicher, sie heißt Widerstand! 6 Milliarden Terabyte, die Leitung brennt wie nie. Das hier ist kein Klingelstreich, das ist Anarchie! Fuck Saturn und MediaMarkt, Euer Kaufhaus müffelt! Wir schließen eure Tore zu und schlucken dann den Schüssel. Ihr wollt Krieg den könnt Ihr haben, wir laden die Waffen. Wir sind keine Einzeltäter, Mann, wir sind die Massen!
Wir sind illegale, illegale, illegale Fans illegale, illegale, illegale Fans illegale, illegale, illegale Fans illegale, radikale, digitale Fans
Wir sind neu und ham Verstand, Ihr könnt uns überhaupt nix! Wir zerbröseln eure Strategien mit jedem Mausclick. Ihr sagt wir sind verboten, weil wir zocken, stehlen, greifen. IP-Adressen sind gefälscht, wir gehen über Leichen. Ihr sagt wir sind kriminell, doch wir sind nur die User. Im Knast saugen wir weiter, Copyrights sind was für Loser! Tupac, Kurt und Marley, der Shit ist für uns alle da! Wir sind zu viel, wir sind zu nah, wir sind zu schnell: ihr könnt uns mal!
Marie-Christine Ostermann ist Bundesvorsitzende des obskuren Verbandes "Die Jungen Unternehmer" (BJU) und taucht immer wieder in Talkshows auf, etwa gerade eben bei PHOENIX im "Forum Wirtschaft" neben Markus Beumer (Vorstandsmitglied Commerzbank AG), Fritz Kuhn (Stellvertretender Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag) und Prof. Joachim Starbatty (Wirtschaftswissenschaftler Universität Tübingen unter "Moderation" von Peter Frey. Thema: Wirtschaftsmacht Deutschland: Goldesel oder Zugpferd für Europa?. Der Herren kommunizieren miteinander (mehr oder minder glücklich), aber Marie-Christine Ostermann sitzt einfach nur blond dabei! Sie sprudelt bloß Begriffe hervor und meint, damit schon etwas zu sagen. Besonders lustig ist der "Druck" auf Griechenland und Italien, den sie aufrecht erhalten will, ohne zu verstehen, wofür das Wort steht! "Strukturreform" ist auch eines ihrer Lieblingswörter, die sie einfach nicht durchdringt!
Der Banker Beumer stellte insbesondere die Irritation der Finanzmärkte ausgezeichnet dar, die mit einer politischen Entscheidung für Europa gerechnet hatten, auf einmal aber konfrontiert worden seien mit der - lukrativen! - Situation von europäischen Ländern, die sich den schwarzen Peter der drastischsten Spatmaßnahmen zuzuschieben versuchten, die nicht den "politischen Hebel", sondern einen Finanzmarkthebel auspackten. Die blonde Ostermann fordert "Marktmechanismen" - und erkennt gar nicht, dass gerade diese politische Unsicherheit überhaupt erst einen (Finanz-)Markt schafft, auf dem sich das Engagement der Akteure gegen verschuldete Staaten lohnt!
Starbatty hat sehr gut dargestellt, wie er Steinbrück der ökonomischen Inkompetenz überführt hat, indem er ihn dazu provozierte, selbst darzustellen, dass bei Austritten aus dem Euroraum die deutsche Währung stark aufgewertet und die griechische Wirkung in den Keller absacken würde. Yo, dachte selbst ich als Laie sofort: Das ist doch gerade das Kennzeichen der katastrophalen Divergenz von Wettbewerbsfähigkeiten!
Beumer stellte auch das Ungleichgewicht der Außenhandelsungleichgewichte aus Sicht anderer Staaten wie Griechenland sehr gut dar. Ich finde auch bemerkenswert, dass er die transparentesten Aussagen pro politischer Gestaltungsmacht in Europa machte! Auch Starbatty war politisch noch engagierter als der GRÜNEN-Politiker Kuhn!
Hatte ich schon erwähnt, dass Marie-Christine Ostermann zwar ungefähr gleich viel sprach, aber de facto gar nichts sagte?! Sie bekam zwar viel Applaus, aber das war offenkundig der Unbildung des Publikums geschuldet. Umso mehr wundere ich mich über die Indifferenz, welche die Herren der Runde ihr gegenüberbrachten. Hätte ich in der Runde gesessen, hätte ich spätestens nach ihrer zweiten Wortmeldung gefragt, ob das blonde Kindergartenkind nicht langsam ins Bett müsse. Bitte: Die Frau muss von deutschen Fernsehschirmen getilgt werden!
Am Donnerstagmorgen kam es um 10 Uhr vor dem Mainzer Amtsgericht zum Prozess im Rahmen des gerichtlichen Mahnverfahrens "ESWE Verkehrsgesellschaft mbH gegen Manfred Bartl", moralisch korrekt natürlich "Manfred Bartl gegen ESWE Verkehrsgesellschaft mbH". Die Wiesbadener Verkehrsgesellschaft will das "erhöhte Beförderungsentgelt" einziehen, das sich aus zwei (nachgewiesenen) Fahrten ohne gültigen Fahrausweis auf Linien der ESWE Verkehrsgesellschaft mbH (ESWE Verkehr) ergibt. Tatsächlich waren es ja ungleich mehr, etwa tausend!
Die Gruppe meiner Unterstützerinnen und Unterstützer war natürlich pünktlich wie die Maurer und hatte längst Platz genommen. Da der Rechtsanwalt der ESWE Verkehr, Grünvogel, eine Verspätung von wenigstens vier Minuten hatte, ließ ich mich zu dem Scherz hinreißen, dass die Gegenseite wohl mit dem Bus zu kommen genötigt sei. Als er schließlich erschien, wollte er sich zuerst bei den Zuschauern platzieren, bevor er mal auf die Idee kam zu fragen, ob seine Sache nicht doch schon aufgerufen worden sei. In anscheinend nicht gespielter Naivität fragte er dann auch noch nach, ob er die in seiner Aktentasche geknautschte Robe wirklich überziehen solle, wozu ihn der Richter mit - kaum noch zu überspielender - überstrapazierter Geduld aufforderte.
Damit konnten wir in die Güteverhandlung eintreten, die ausgesprochen interessant verlief. Auf die Frage, ob die Sache gütlich abgeschlossen werden könne, antwortete RA Grünvogel nämlich, dass er selbst durchaus geneigt sei, "die ESWE wünscht aber ein Urteil". Ich wurde nicht gefragt, aber da es nun ohnehin unmöglich erschien, einem solchen Ansinnen zu entsprechen, hätte ich, darauf angesprochen, wohl sowieso nur meiner Verwunderung Ausdruck gegeben, dass "die ESWE" ein Urteil wünsche, denn die ESWE ist gar nicht Prozessbeteiligte; Klägerin ist bekanntlich die ESWE Verkehr. Und Güte würde ich gegenüber einem Verkehrsdienstleister sicher ganz zu allerletzt an den Tag legen! Da ich also nichts zu sagen hatte, war die Güteverhandlung auch schon wieder vorbei...
Damit gingen wir zum Haupttermin über, der wider Erwarten keinen Deut länger dauerte als die Güteverhandlung. Der Richter rekapitulierte im wesentlichen nur, dass der Tatbestand unbestritten sei und meinerseits der Anspruch bestünde, die Forderung der ESWE Verkehr GmbH anbetrachts des Bundesverfassungsgerichtsurteils wie schriftlich dargelegt abzuweisen. (Ich: "So ist es!") Da auch meine Gegen-AGB im Wortlaut bereits Bestandteil der Klageerwiderung war, schnappte sich der Rechtsanwalt zwar kurz das angebotene Original, wie es im "FAP-Raum" der ESWE Verkehr ausgehängt und damit publik gemacht worden war, reichte es dann aber dem Richter weiter, der es aber auch nicht gebrauchen zu können schien. Schade, hatte ich doch für alle Prozessbeteiligten Ausdrucke und Gebrauchsexemplare meiner Unterlagen inkl. der wichtigsten Stellen des Bundesverfassungsgerichtsurteils bereitgestellt. Das war leider umsonst - Undank ist und bleibt der Welten Lohn. Jedenfalls verkündete der Richter einen Entscheidungstermin irgendwann im Dezember (niemand hatte ein Ohr dafür), bei dem die Anwesenheit der Parteien nicht vonnöten sei, und schloss die Verhandlung.
Daraufhin kam etwas Unmut unter meinen Unterstützerinnen und Unterstützern auf, weil sie sich natürlich einen größeren Auftritt von mir - bzw. überhaupt irgendeine Konfrontation - erhofft hatten. Da die Natur der Verhandlung dies aber weder vorsieht (was mir selbst gegenüber erst am Tag zuvor angedeutet worden war) noch nötig erscheinen ließ und auch Erklärungsversuche, dass man in solchen Verhandlungen eben keinen verfassungskonformen Widerstand der Richterschaft gegen Formalia unter Hartz IV und schon gar nicht gegen Hartz IV erwarten oder gar aufbauen könne, kontraproduktiv gewirkt hätten, versuchte ich irgendwie noch, den guten Eindruck, den meine Partei bis dahin an den Tag gelegt hatte, durch ein zuversichtliches "Na, dann ist ja alles klar!" zu retten, und lotste allesamt hinaus auf den Flur und weiter an die frische Luft, da ich - zugegebenermaßen - vor Aufregung glühte.
Anschließend kehrten wir ein, um dieser Aufregung Herr zu werden, was mit einem kühlen Malzbier - immer, wenn's politisch wird - auch spielend gelang. Immerhin wurde es für meine Unterstützerinnen und Unterstützer dann noch einmal spannend, als ich meine Klageerwiderung verlas, die bislang nicht in diesem Weblog erschienen und damit für alle Anwesenden noch neu war. Auf diese Weise relativierte sich nämlich der Eindruck, ich hätte "vor Gericht" nichts erreicht, sehr schnell. Zum Beweis: Hier ist die
Klageerwiderung
zum unter dem Aktenzeichen 86 C 431/11 ergangenen Beschluss des Amtgserichts Mainz vom 4.10.2011, eingegangen am 6.10.2011
Sehr geehrter Herr [Richter]
die Forderung des ESWE Verkehrsgesellschaft mbH wundert mich, da ich a) lange im voraus und b) im Zuge jeder jeweiligen Inanspruchnahme meines Grundrechts auf soziokulturelle Teilhabe, hier: auf Mobilität, gerade solche Forderungen ausdrücklich ausgeschlossen habe und Letzteres die von der ESWE benannten Zeugen, die Herren XY und YZ (was mich irritiert, da ich am 17.02.2011 federführend einer Dame begegnete), sicher gerne bestätigen werden.
Bereits am 5. Januar 2009 wies ich pars pro toto die Mainzer Verkehrsgesellschaft mbH (MVG) als Erfüllungsgehilfin von VMW/RMV per E-Mail darauf hin, dass ich „ab dem 25. Januar 2009 durchgehend ohne gültigen Fahrausweis Busse und Bahnen des Verkehrsverbundes Mainz-Wiesbaden in Anspruch nehmen werde“. Man wurde gebeten, die „Kontrolleure darauf hin[zuweisen] und (...) Strafanzeigen [zu vermeiden]“. Es erging der Hinweis, dass dies „vorbehaltlich einer anderweitigen Lösung durch [die] MVG“ gelte und dass ich, wenn man bis zum 25. Januar 2009 ein „Sozialticket zum Preis von maximal 15,00 Euro“ anbieten würde, dieses „selbstverständlich in Anspruch nehmen“ würde. Andernfalls, stellte ich in Aussicht, „dürfte die soziale Lage in Mainz eskalieren“ – und diesem erklärten Ziel scheinen die Herren Cramer und Grünvogel mit ihrem Anliegen nun mit Siebenmeilenstiefeln entgegensteuern zu wollen.
Da das Bundesverfassungsgericht mir am 9. Februar 2010 mit der Konstituierung eines „stets einzulösenden Grundrechts auf Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums“ (meist Grundrecht auf soziokulturelle Teilhabe genannt) (BVerfG, 1 BvL 1/09 vom 9.2.2010) umfassend Recht gegeben hat, poche ich auch weiterhin auf die Unantastbarkeit meiner Menschenwürde und die Verpflichtung aller staatlichen Gewalt – also auch der ESWE Verkehrsgesellschaft mbH –, sie zu achten und zu schützen!
Mit der Feststellung der Verfassungswidrigkeit der gesellschaftlichen Beförderungsbedingungen und der Aufstellung meiner Gegen-AGB sind die „Gemeinsamen Beförderungsbedingungen“ des RMV sowie die „Besonderen Beförderungsbedingungen der Verkehrsverbund Mainz-Wiesbaden GmbH (VMW)“ diesbezüglich außer Kraft gesetzt, was ich durch Tragen einer entsprechend klaren Äußerung in der Plastikhülle eines Namensschildchens auch bei jeder Fahrt deutlich sichtbar zum Ausdruck bringe. Darüber hinaus habe ich bei der Fahrt am 8. Mai 2009 Herrn XY mein Flugblatt mit einer ausführlichen Darstellung und Forderung überreicht, was, wie mir Herr YZ (bzw. der Kollege der Kontrolleurin) am 17. Februar 2011 offenherzig berichtete, im „FAP-Raum“ (auf meine Nachfrage: im Fahrausweisprüfer-Raum) für alle Fahrausweisprüfer einsehbar aushänge. Niemand – ich betone: niemand – kann sich somit darauf berufen, dass ich die „Gemeinsamen Beförderungsbedingungen“ nur deswegen anerkannt hätte, dass ich ein Fahrzeug der VMW GmbH betreten hätte; es wäre im Gegenteil geradezu lachhaft, dies auf einer solchen Grundlage anzunehmen!
Ich beantrage daher,
1. die Klage unter Bezugnahme auf das Urteil 1 BvL 1/09 des Bundesverfassungsgerichts vom 9. Februar 2010 nachdrücklich abzuweisen.
2. der Klägerin die Kosten dieses völlig überflüssigen Rechtsstreits aufzuerlegen.
3. endlich die Ermittlungen bzgl. dieses Offizialdelikts aufzunehmen, das – je nach Sichtweise – daraus besteht, dass entweder der Gesetzgeber einen die Menschenwürde missachtenden und darum verfassungswidrigen Regelsatz für die Grundsicherung für Langzeitarbeitslose beschlossen hat oder das Sozialticket der Mainzer Verkehrsgesellschaft mbH (wie natürlich auch die Sondermonatskarte der ESWE Verkehrsgesellschaft mbH) ein die Menschenwürde missachtendes und darum verfassungswidriges Wucher-Angebot darstellt!
Bewahren Sie die rechts- und sozialstaatliche Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland vor einer Beschädigung durch die ESWE Verkehrsgesellschaft mbH – oder dies wird meine Aufgabe sein! Eine Geldstrafe, eine Ersatzhaft oder auch nur einer Verurteilung bloß wegen der Ausübung eines Grundrechts werde ich unter keinen Umständen hinnehmen; da sei Artikel 20 Abs. 4 Grundgesetz vor!
Gemäß Paragraph 495a ZPO beantrage ich – gegebenenfalls – eine mündliche Verhandlung, da die Zusammenhänge für die bloße schriftliche Abhandlung offenkundig zu komplex wären.
Mit freundlichen Grüßen Manfred Bartl
Sobald ich das Urteil in der Sache "Manfred Bartl gegen ESWE Verkehr" erhalte, wird dieser Bericht hier im Blog fortgesetzt!
Im ersten Moment ist man versucht, dem Geschäftsführer der Münchner Buchhandlung Lehmkuhl, Marc Schürhoff, zu gratulieren: Er meldet im SZ-Interview über seinen Boykott des Guttenberg-Buches "Vorerst gescheitert" (kein Link) "Zweifel [an], dass das Buch etwas tauge" (dass Guttenberg also nicht nur vorerst gescheitert sei), erklärt sein alltägliches Buchhandelsgeschäft, auch anhand von Vergleichen mit Büchern des "ehemaligen Steinewerfers" (so ein Kunde) Joschka Fischer oder der "zu blöden" Autobiographie von Dieter Bohlen, und ist auch voll im Bilde, was die Zusammenhänge der medialen Aufregung um diesen Boykott betrifft.
In der zweiten Hälfte des Interviews kommt aber die Frage auf, welche Sachbücher denn in Schwabing besonders gut gehen. Und Schürhoff berichtet:
Unsere Kunden greifen schon auch zur Bestseller-Biographie von Steve Jobs. Sehr gut verkauft sich auch ein anderes Gesprächsbuch: "Zug um Zug" mit Helmut Schmidt und Peer Steinbrück. Das scheint den Geschmack unserer Kunden zu treffen: Sie sehnen sich eben nach einer moralischen Autorität.
Manchmal frage ich mich, für wen ich eigentlich Politik betreibe. Das souveräne menschliche Subjekt, das in philosophischer Reflexion sich und seine Stellung in der Gesellschaft erkennt und dementsprechend politisch handelt, existiert de facto nicht mehr. Menschenrechtsverletzungen? Egal! Auch wenn man selbst betroffen ist. (Aber nicht mit mir!) Demonstration gegen Rechts(extremismus) gemeinsam mit Rechten (von SPD und GRÜNEN)? Egal! (Aber nicht mit mir!)
Und was machen die Leute, wenn ganz einfache Probleme zu bewältigen sind? - Du ahnst es nicht!
In Mainz ist zur Zeit der Entschuldungsfonds im Gespräch, ein Landesprogramm, mit dem "klamme Kommunen" einen Teil ihrer Schulden an das Land abtreten dürfen, wenn sie als Gegenleistung ein paar "Einsparungsvorschläge" anbieten können. Da die Schuldenlast der Kommunen in erster Linie aus einem Einnahmenproblem resultiert, gewinnen die Kommunen gar nichts. Alles, was ihnen bleibt, sind die teilweise offenkundig radikalen "Einsparungen", die in Wirklichkeit Kürzungen oder noch drastischer kulturlose Barbarei sind.
Besonders geärgert haben mich die Beratungen des Kulturausschusses über finanzielle Einschnitte für die Stadtbibliothek. Die Wissenschaftliche Stadtbibliothek und das Stadtarchiv sollen zerschlagen und aufgeteilt werden, um das jetzige Gebäude in der Rheinallee zu verkaufen, und durch 20 Stelleneinsparungen eine gewaltige Last an diesen "Einsparungsvorschlägen" tragen. Die Mainzer Bibliotheksgesellschaft e.V. hat dagegen eine Petition "Der Bestand der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek Mainz darf nicht zerschlagen werden!" gestartet und 5283 Unterstützer-Unterschriften gesammelt, darunter meine - übrigens explizit als OB-Kandidat getätigt. In der Sitzung des Kulturausschusses hat Thomas Busch, Vorsitzender der Mainzer Bibliotheksgesellschaft, diese 5283 Unterschriften gegen die Zerschlagung der Wissenschaftlichen Bibliothek an Kulturdezernentin Marianne Grosse übergeben. So weit, so gut. Und was berichtet die "Allgemeine Zeitung" dann?
Thomas Busch widersprach der Auffassung von Grosse, als er sagte, dass die Pflege des Bestands nicht gesichert sei. "Ziel ist es, dass von 33 Stellen nicht wie geplant 20, sondern nur zehn eingespart werden. Mir geht es darum zu sagen, dass noch Luft ist. Und darum, zu verhindern, dass die Stadtbibliothek mit zwei blauen Augen davonkommt - eines reicht auch."
Mit dem robusten Mandat von 5283 Unterzeichnern gegen die Zerschlagung der Wissenschaftlichen Bibliothek in der Hand fängt dieser Mann ohne jede Not an um das Ausmaß der "Einsparungen" zu schachern! Er wünscht sich das blaue Auge, anstatt Gesichtsverletzungen kategorisch auszuschließen! So also geht Thomas Busch mit meiner Unterschrift um!!
Noch tragischer scheint mir der Fall der Mainzer Hundehalterinnen und Hundehalter, die sich gegen die teilweise drastische Erhöhung der Hundesteuer wehren wollen und zuletzt im Rahmen einer Demo rund 3500 Unterschriften sammelten, um Rederecht im Stadtrat zu erhalten. Kathrin Prang, Hundetrainerin und Organisatorin der "Hunde-Demo" (AZ), wurde von der "Allgemeinen Zeitung" zum Anliegen der Hundehalterinnen und Hundehalter interviewt. Erst macht sie - als professionelle Hundehalterin - ihre Sache ausgezeichnet, weist darauf hin, dass Hunde keine Sachen sind, sondern Lebewesen und bemängelt, dass die Stadt nichts für Hunde und Tierschutz tut und keine Freilauffläche bereitstellt, wo man seinen Hund auch mal ohne Leine bewegen kann. Und dann?
"Ich weiß, dass die Hundesteuer nicht zweckgebunden ist, dennoch sage ich: ein jährliches Plus von 25 Euro ist für uns die Schmerzgrenze."
Mit 3500 Unterschriften in der Hand gegen die geplante Hundesteuererhöhung macht Frau Prang ohne jede Not ein Angebot des "Entgegenkommens", zu dem sie gar kein Mandat hat! Schlimmer noch: Nach dieser Frage wird sie von der AZ an einen ihrer Kritikpunkte erinnert, "dass Kleinverdiener sich mit höherer Steuer keinen Hunde mehr leisten können". Man kann ihr zwar zugute halten, dass sie eine Staffelung nach sozialem Hintergrund und Einkommen als "viel sinnvoller" erachtet, wobei sie auch die aktuellen Limits kennt, dergestalt, dass "viele alte Menschen bestimmt nicht bei der Stadt einen solchen Antrag stellen" wollten. Aber was bringt die Frau dazu, diesen sozialen Gesichtspunkt auszublenden und ein Angebot in die Waagschale zu werfen, für das sie gar kein Mandat hat? Warum fühlte diese Frau sich (und das nur in einem Interview, nicht gegenüber dem politischen Gegner) gezwungen, in Eigenregie einen Kompromiss vorab zu modellieren, der ihrem Anliegen Hohn sprach? Wenn man es verhandlungsstrategisch ernst nähme, wäre schon die "keine Hundesteuererhöhung!"-Forderung Humbug, weil ein möglicher Kompromiss tatsächlich auf 25 Euro mehr und damit eine faktische Erhöhung hinauslaufen könnte. Da man auch Forderungen an die Stadt hat (insbesondere die Freilauffläche), könnte man die Steuerzahlung komplett aussetzen und erst wieder Hundessteuer zahlen, wenn tatsächlich eine Freilauffläche ausgewiesen wird - natürlich maximal zum heute üblichen Satz!
Was bringt diese Menschen dazu, ohne jede Not ihre tausendfach gestärkten Standpunkte aufzuweichen und in vorauseilendem Gehorsam ein (zumindest) für sie nachteiliges Kompromissangebot auf den Tisch zu legen? Ist es die dafür fällige Belohnung, ausgerechnet von OB Beutel, der ihr gegenüber bei der Übergabe der Unterschriften bekundete:
Was ihm an der Initiative imponiere, sei die Tatsache, dass sie einen Gegenvorschlag gemacht habe, "der auch ein konstruktiver Vorschlag ist - das findet man nicht bei allen Bürgerinitiativen".
Heute Abend zeigte Super-RTL den Zeichentrickfilm "Die Weihnachtsgeschichte" nach Charles Dickens, ein Plädoyer nicht einfach nur gegen Egoismus, sondern gegen eine als Realismus missverstandene Selbstisolation, nicht einfach nur für das Glück des Gebens, sondern für die humanistische Selbstverständlichkeit einer ausgeglichenen Geldein- und -ausgangsdynamik (wenn bzw. solange die Wirtschaft denn auf einem Geldsystem aufgebaut werden muss).
Herzergreifend! -- Aber wie sieht die Wirklichkeit aus?
Als ich heute im Eingang eines Geschäfts stand und gerade am Boden ein Cent-Stück entdeckt hatte, sprach mich mal wieder die Frau an, die in Mainz und Wiesbaden wohl ohne Ansehen der Person jeden um etwas Geld anhaut. Ich hatte natürlich kein eigenes Geld übrig, aber ich wollte ihr gerne diesen Fund überlassen. Wisst Ihr, was sie sagte? Sie fragte mich, ob ich das eben hingeschissen hätte! Was für ein Spitzenwitz! Noch besser war dann freilich, dass sie das Cent-Stück nicht aufgehoben hat! Ich selbst war mir dafür nicht zu schade...
Obwohl ich ihr Anliegen als OB-Kandidat durchaus unterstütze, halte ich es doch für nachgerade absurd, dass ich heute beobachten musste, wie rund 500 (!) Hundebesitzer gegen eine höhere Hundesteuer demonstrierten, weil sie nicht für politische Versäumnisse bei der Optimierung der Einnahmesituation der Stadt Mainz geradestehen wollen und auch nicht sollten. Wo aber waren diese 500, als wir gegen das faschistische Hartz-IV-Regime auf die Straße gingen und zu fünft unter uns blieben?? Wenn umso weniger Leute auf die Straße gehen, je wichtiger das Thema ist, dann muss man sich doch nicht wundern, dass die individuellen Anliegen nicht mehr zur Geltung kommen! Was soll das überhaupt bedeuten, an einem Samstag zum Rathaus zu ziehen? Wer ist dort denn der Adressat?
"Die Mainzer Wissenschaftliche Stadtbibliothek ist mir genauso wichtig wie allen anderen MitunterzeichnerInnen! Ich lege jedoch Wert auf die Feststellung, dass mir das Anliegen dieser Petition gleichermaßen für alle anderen von den kulturlosen Sachzwangschergen ersatzweise herangezogenen Objekte gilt, mit denen sie ihre sog. 'Sparabsichten' verfolgen könnten, obwohl es Entzivilisierungsmissetaten ohne jede Not sind. Die kapitalistische Systemkrise wird nicht gelöst, indem man ihren künstlichen Anforderungen entspricht, sondern indem man ihnen die ökonomische Rechtfertigungsgrundlage entzieht. Abseits der Ausschweifungen der Meenzer Handkäsmafia hat die Kommune Mainz vor allem ein Einnahmeproblem und darf nicht länger auf die ihr zustehenden BIP-Anteile verzichten!"
Es gab aber schon bei der Zeichnung andere -zutiefst verstörende - Stimmen: "Die Stadt Mainz ist hoch verschuldet und Sparen ist wichtig und richtig [Wie bitte??]. Aber so? Nein, so geht es nicht! Über den Kopf der Betroffenen hinweg werden Konzepte entwickelt, von denen die KollegInnen aus der Zeitung erfahren. Von PolitikerInnen der Grünen und der SPD erwarte ich eine andere politische Kultur. 'Betroffene zu Beteiligten machen', so müsste die Devise lauten. Als Gewerkschafter [Wie bitte????] und Archivar dreht sich mir da der Magen um."
Wenn man hört, wie die Politik dazu steht, kann einem schon angst und bange werden. Marianne Grosse etwa ist auf dem TINA-Trip: "Klar ist, dass es zu Kürzungen im Kulturhaushalt keine Alternative gibt. Dass diese Einschnitte sehr schmerzhaft werden, ist inzwischen allgemein bekannt." Dr. Walter Konrad (CDU) glaubt, "es muss eine Möglichkeit geben, aus dem unerträglich geschrumpften Etat der Stadtbibliothek wenigstens die wichtigsten Anschaffungen vorzunehmen - sonst kann man in drei, vier Jahren abschließen. Dann ist das ein Mausoleum, aber keine lebendige Bibliothek mehr." Die CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Andrea Litzenburger nennt es einen "einmaligen Vorgang, den wir hier erleben. Die Stadtbibliothek wird zwar nicht totgeschlagen, aber sie überlebt als Krüppel". (Die AZ zitiert sie weiterhin, "die Verwaltung [werde so] in den Dienst der Politik gestellt, auch wenn das den Herren Amtsleitern vielleicht gar nicht so bewusst ist". Was sie damit meint, scheint mit rationalen Maßstäben gar nicht zu verstehen sein, denn Verwaltung steht immer im Dienst der Politik...) Gunther Heinisch (GRÜNE) gibt den Standpunkt der Politik völlig auf und wird zum Etablierten: "Wenn gesagt wird, die Kultur blutet überdurchschnittlich: Wie soll es denn sonst gelingen, diesem Entschuldungsfonds beizutreten? Ich kann mir schwer vorstellen, dass das gehen kann, wenn wir nicht zu einem sozialen Kahlschlag kommen wollen - der auch nicht gewollt sein kann." - Der Entschuldungsfonds wird als Ziel betrachtet, ohne Sinn und Zweck des Ganzen überhaupt zu erfassen, und der Wettbewerb - hier zwischen des Ressorts - wird zum gelebten System, obwohl die GRÜNEN das System als solches eigentlich ablehnen (sollten). Gemessen am Erfolgsthema Kohlekraftwerk, mit dem sie immerhin in die Ampelkoalition gewählt wurden, ist das wirklich eine Schande! Aber so ist nun einmal unsere aktuelle politische Klasse: Völlig entpolitisiert!
Schlimm ist es aber, wenn selbst die Menschen, die dem Phänotyp nach ein anderes Weltbild haben und aktiv Politik anstoßen, wie etwa Thomas Busch, der die Petition gegen die Zerschlagung initiiert hatte, plötzlich, angesteckt von der Atmosphäre vor Ort, ihre Rolle ohne jede Not aufgeben und sich demselben Defätismus hingeben wie die unpolitischen Politiker. Busch überreichte zuerst über 5000 Unterschriften, wird dann von der AZ dargestellt als jemand, der "der Auffassung von Grosse widersprach, als er sagte, dass die Pflege des Bestands nicht gesichert sei" und macht dann plötzlich Aussagen, die den selbstauferlegten Bemühungen den Todesstoß versetzen: "Ziel ist es, dass von 33 Stellen nicht wie geplant 20, sondern nur zehn eingespart werden. Mir geht es darum zu sagen, dass noch Luft ist. Und darum, zu verhindern, dass die Stadtbibliothek mit zwei blauen Augen davonkommt - eines reicht auch." Denn was heißt das? Er will plötzlich Einsparungen! Er redet plötzlich nur noch von Stellen, aber gar nicht mehr vom übergeordneten Ziel der uneingeschränkten Integrität der Wissenschaftlichen Satdtbibliothek, der Gutenberg-Bibliothek! Wenn aber jemand, auf den 5283 ihre Hoffnungen gesetzt haben, am Höhepunkt der Mission plötzlich einknickt, alle hehren Ziele aufgibt, der Gegenseite einen Kompromiss anbietet und damit dem absurden Plan einen Realitätsgehalt zuspricht, dann ist die Sache verloren... Zumal es mich wundert, dass Busch mich niemals kontaktiert hat, hätte er sich doch zurecht versprechen können, mit einem der OB-Kandidaten und seinem aktiven politischen Engagement hinter sich mehr zu erreichen als mit einer bloßen Zahl (an Unterschriften) und dem von einem Betroffenen formulierten Anliegen einer in sich geschlossenen Petition. Ein OB-Kandidat hätte umfassende und fortgesetzte Öffentlichkeit bedeutet (zumindest im Normalfall wenigstens einigermaßen ihren Pflichten nachkommenden Medien)!
Da kann man doch alle Hoffnung fahren lassen, oder?
Der Titel dieses Beitrags wurde einem "taz"-Artikel entnommen, der mit dem Titel '"Heinz Erhardt gehört allen"' einen O-Ton von Klaus Kämpfe-Burghardt, Geschäftsführer der Verlagsgruppe Ueberreuter (u.a.: Lappan) referenziert, der eigentlich so etwas wie "[E]s gebe auch das Gefühl: Der gehört allen." gesagt hatte und damit gerade das Gegenteil, dass nämlich Erhardt nicht allen gehöre, gemeint hatte.
Hintergrund ist der Versuch des Lappan-Verlags, gegen diverse Anbieter nicht-lizensierter Erhardt-Texte - auch kleinere, nicht-professionelle wie Blogs - vorzugehen. Lappan soll sich zu diesem Schritt gezwungen gesehen haben, weil man etwa 7000 Verstöße gegen ihr Urheberrecht registriert habe. "Da kommt der Respekt ein bisschen kurz", rechtfertigt sich Kämpfe-Burghardt. Der Schuss ging - wie so oft - nach hinten los. Die Webgemeinde wehrt sich, beschwert sich bei Erhardts Erbengemeinschaft, die davon nichts wissen will, sich - aller Ehren wert! - sogar distanziert. "Wir waren schon überrascht von der Vehemenz der Reaktionen im Netz", erzählt Kämpfe-Burghardt der "taz". "Am Montag haben wir uns auch gefragt: Was ist denn da plötzlich los?"
Dabei hat der Kerl ein sonniges Gemüt! Am Rande bemerkt er:
"Als Verlag sehen wir die Verpflichtung, unsere Autoren zu schützen." (Als ob der große Heinz Erhardt das 31 Jahre nach seinem Tod noch nötig hätte!) "In zehn Jahren kann man solche Verstöße vermutlich nicht mehr verfolgen, aber heute gibt es noch ein Unrechtsbewusstsein."
Schau da! In einem ziemlich klaren Bewusstsein der heraufziehenden Wissensgesellschaft und ihrer Konventionen (freies Wissen für alle) will Lappan also noch schnell ein paar Kleine, die sich nicht wehrhaft dagegenstemmen können, ordentlich abzocken, bevor der Gesetzgeber die Grundlagen des Umgangs mit geistigen Schöpfungen an die neue Gesellschaftsformation anpasst! Euch Schweinepriestern sei's ins Poesiealbum geschrieben: In der Wissensgesellschaft, die auch Heinz Erhadts Ding gewesen wäre, gehört Heinz Erhardt allen!
Witzig ist nun: Heinz Erhardt hat ausgerechnet solchen Leuten wie Kämpfe-Burghardt ein Gedicht geschrieben!
Es scheint so
Es scheint so, daß auf dem Planeten, den wir so gern mit Füßen treten und ihn dadurch total verderben -- daß hier also nur Gute sterben!
Denn: las man je im Inserat, daß ein Verblichner Böses tat, daß er voll Neid war und verdorben, und daß er nun mit Recht gestorben?
Es kann hier keinen Zweifel geben: die Schlechten bleiben alle leben!