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Drei Mal MVG-Kontrolleure im November 2016

Ist es Glück? Ist es Unglück? Auf jeden Fall ist es ein First Time: Erstmals in über siebeneinhalb Jahren Schwarzfahren für Gerechtigkeit bin ich in einem Kalendermonat, im November 2016, drei Mal Kontrolleuren ein und desselben ÖPNV-Anbieters begegnet (und tatsächlich aufgeschrieben worden, was ich nur erwähne, weil dies nun auch nicht mehr selbstverständlich ist).

Die Dreiergruppe, die am 9.11.2016 den Reigen eröffnete, war lustig zusammengesetzt, denn die beiden Wortführer hatten null Ahnung, ein Kontrolleur fragte immerhin, ob er meinen Schwarzfahrerausweis fotographieren dürfe, während der dritte im Bunde bekannte, SPIEGEL TV gesehen zu haben und Bescheid zu wissen, sich aber aus der Diskussion, die wir auch noch draußen beim Umsteigen am Höfchen fortsetzten, auffällig raushielt.

Weiter ging's am 17.11.2016 mit denselben beiden Wortführern, zu denen ich mich einfach im Mittelkreis gesellte und auf die ich mich schon beim Einsteigen freute. Obwohl ich nunmehr natürlich bekannt war und er mir direkt gegenüberstand, blaffte der Kontrolleur dennoch "Die Fahrkarten bitte!" - obwohl ihm klar gewesen sein muss, dass er von mir nicht mehr als meinen Schwarzfahrerausweis präsentiert bekommen würde. Eine Diskussion gab's dann nicht mehr, aber man steht als Kontrolleur ja offenbar sowieso auf dem Standpunkt: "Wir nehmen nur auf; entschieden wird woanders".

Am 22.11.2016 endete - vorläufig - der Reigen mit zwei gemütlichen Kurz-vor-Feierabend-Kollegen, die zwar auch nicht diskutieren wollten, aber gerne ein geselliges Schwätzchen hielten. Sogar so gesellig, dass ich bei diesen Kontrolleuren doch nochmal meinen "Freibrief zum Schwarzfahren" produzierte, damit aber auch wieder von der Wand des ausgeschalteten Gewissens zurückprallte.

Nun bin ich gespannt, ob sich aus der Koinzidenz dreier Kontrollen bei ein und demselben ÖPNV-Anbieter in einem (Kalender-)Monat etwas ergibt :-)
so-zi-al am 24.11.16 14:16


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Sozialticket-Tarif 2017

Die Mainzer Verkehrsgesellschaft mbH (MVG) legt zum 11.12.2016 einen kräftig durcheinandergewirbelten Fahrplan auf. Die unausweichliche (?) Tariferhöhung bleibt aber davon abgekoppelt und findet erst zum 1. Januar 2017 statt. Zum selben Datum wird auch der Regelbedarf der Grundsicherung angepasst, scheinbar unter Berücksichtigung der Einkommens- und Verbraucherstichprobe (EVS) 2013, aber das gesetzgeberische Prozedere ist noch nicht durch. Darum liefere ich heute nur die Tarife 2017 aus - und zwar ohne Gewähr, denn das "Sozialticket" der MVG ist in der bereits gedruckt publizierten Tarifübersicht nicht aufgeführt!

Die Monatskarte der MVG kostet 2017 lt. Tarifübersicht 79,80 Euro. Der Preis des "Sozialtickets" der MVG kommt als 25-prozentiger Rabatt auf den Preis dieser Monatskarte zustanden, was rechnerisch auf 59,85 Euro hinausläuft. Das Mainzer "Sozialticket" wird 2017 also voraussichtlich 59,90 Euro kosten und damit die psychologisch wichtige Grenze von 60 Euro schon bedenklich schrammen.

Die 9-Uhr-Monatskarte wird 2017 bei einmaliger Anschaffung 63,80 Euro kosten. Im Abonnement-Modus ("10x Abbuchung + 2 Freimonate") läuft dies auf einen realen Monatspreis der 9-Uhr-Monatskarte von 53,20 Euro hinaus, sodass auch der Nebenskandal weiter bestehen bleibt, nämlich, dass die 9-Uhr-Monatskarte der MVG im Abo kostengünstiger als das so genannte "Sozialticket" ist, während es mit S-Bahn-Benutzung und Mitnahmeregelung erheblich mehr Leistungen bietet.

Da der Regelbedarf noch nicht endgültig bestimmt ist, man aber derzeit von lächerlichen 5 Euro mehr ausgeht, würde der Anteil für den ÖPNV im Regelbedarf, hochgerechnet von aktuell 20,56 Euro, auf 20,81 Euro steigen.

Da für Erwachsene zwei Regelbedarfsstufen vorgesehen sind (wobei RB-Stufe 2 = RB-Stufe 1 - 10 %) und das daraus resultierende Übermaß an Bürokratie nur mit der Ausgabe von nur einem Sozialticket zum Einheitspreis zu verhindern wäre, müsste dessen Preis im Jahr 2017 bei maximal 18,73 Euro (hoch von 18,50 Euro in diesem Jahr) liegen, damit ich die Aktion "Schwarzfahren für Gerechtigkeit" (endlich) beenden könnte…
so-zi-al am 24.11.16 13:40


Kein Ticket, na und!

Der Trend zum Schwarzfahren führt in Deutschland nicht selten in den Knast"

SPIEGEL TV-Interview mit Manfred Bartl zum "Schwarzfahren für Gerechtigkeit" online bei YouTube




Eben haben die Aufrufe die 30.000er Marke überschritten ;-)
so-zi-al am 22.11.16 20:07


CSU auf Stimmenfang am rechten Rand

CSU hetzt nach Geflüchteten jetzt auch gegen Hartz IV-Betroffene

Die CSU hat im Rahmen ihres Facebook-Auftritts Menschen, die auf Hartz IV angewiesen sind, als "Hartz IV-Schmarotzer" bezeichnet. "Die Grünen wollen: Sanktionen für Hartz IV-Schmarotzer lockern", heißt es dort. Ergänzt wird der Post durch den Kommentar "Damit Deutschland Deutschland bleibt!" Dazu erklärt Katja Kipping, Vorsitzende der Partei DIE LINKE:

Der stramme Rechtskurs der CSU beschränkt sich nicht nur auf Geflüchtete. Jetzt zeigt sich die Seehofer-Partei voller Verachtung für Menschen, die auf Hartz IV angewiesen sind. Dabei leiden die Betroffenen nicht nur massiv unter der Armut und Ausgrenzung, sondern auch unter der Stigmatisierung, der sie und ihre Kinder häufig ausgesetzt sind. Dass die CSU für ihren Stimmenfang am rechten Rand hier auch noch mal zulangt, das ist mehr als schäbig.

Die Sprache der CSU ist entlarvend: Wer Menschen in Not derartig abwertend beleidigt, hat keinerlei Verständnis für das Grundrecht auf ein sozio-kulturelles Existenzminimum. Das Bundesverfassungsgericht leitet dieses Grundrecht aber aus der Menschenwürde und dem Sozialstaatsgebot ab.

Wer so gegen Hartz IV–Betroffene hetzt wie die CSU, der hat nicht nur einen erheblichen Nachholbedarf hinsichtlich Nächstenliebe, sondern auch in Sachen Grundgesetz. Vielleicht sollte Horst Seehofer und anderen CSU-Funktionären der kostenfreie Besuch von Integrationskursen, in denen das Grundgesetz behandelt wird, ermöglicht - oder besser verpflichtend auferlegt werden.


17. November 2016 Katja Kipping


Nachtrag von Manfred Bartl

Wir finden es prinzipiell gut, wenn die CSU Wahlwerbung für ihre politischen Gegner macht. Aber wenn die CSU schon so blöde ist, darf sie doch in diesem Augenblick nicht
unsere Partei DIE LINKE vergessen: Die Partei DIE LINKE ist nicht nur für eine "Lockerung" der Hartz IV-Sanktionen - DIE LINKE verlangt die Abschaffung ausnahmslos aller Hartz IV-Sanktionen!
so-zi-al am 17.11.16 15:44


TV-Tipp: Schwarzfahren für Gerechtigkeit HEUTE Sonntag!

Hallo, Leute!

Mir wurde - leider erst heute - mitgeteilt, dass es nun also heute Abend soweit sein soll, dass der Beitrag zum Schwarzfahren für Gerechtigkeit im Fernsehen läuft: SPIEGEL TV Magazin, RTL, 22.55 Uhr.

Heute scheint nichts mehr dazwischenkommen zu können, aber der Tweet ist nicht so vielversprechend

SPIEGEL TV @SPIEGELTV Oct 28
"Das sind drei unserer Themen ab 22:55 Uhr bei @RTLde. Wir freuen uns, wenn Ihr beim #SPIEGELTV Magazin dabei seid."

Im beigefügten Image heißt es: " 'Kein Ticket - na und?' Wenn Schwarzfahrer im Gefängnis landen."

Na ja, wenn es nun läuft, wär's schön, wenn möglichst viele es sehen könnten und aufzeichnen oder ab morgen in der Mediathek nachschauen und downloaden würden!
so-zi-al am 6.11.16 21:41


Endlich! Die ersten staatlichen Stakeholder gegen Hartz IV-Armut!

Endlich ist es soweit! Es hat lange gedauert, bis jetzt mit Thüringen und dem Thüringer Ministerpräsidenten die ersten staatliche Stakeholder gegen die von Hartz IV verursachte Armut eintreten. Warum nenne ich diese Akteure "Stakeholder"? Ich betrachte Thüringen und den Ministerpräsidenten Thüringens, Bodo Ramelow, als Stakeholder, weil keineswegs alle - nicht einmal der erste Ministerpräsident der Partei DIE LINKE - ausschließlich aus altruistischen Motiven Armut angehen (müssen).

Thüringens Sozialministerin Heike Werner (DIE LINKE) wirft ein Schlaglicht auf ihr Motiv, eine Anhebung des Hartz IV-Regelsatzes auf über 500 Euro zu fordern. Der Bedarf werde künstlich kleingerechnet. "Wer die soziale Gerechtigkeit in diesem Land wirklich stärken will, der sollte nicht die Ärmsten vom gesellschaftlichen Leben ausschließen."

Bodo Ramelow indes unterstützte die Forderung des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, der eine Erhöhung auf mehr als 500 Euro gefordert hatte, u.a. um Transferbeziehern Gaststättenbesuche zu ermöglichen. "Natürlich ist es wichtig, dass Hartz IV-Empfänger die Möglichkeit haben, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben! Insofern ist die Kritik des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes nachzuvollziehen", sagte Ramelow gegenüber der "Bild"-Zeitung.

Das ist so bermerkenswert, weil Bodo Ramelow und Heike Werner nicht bloß als typische LINKE aus einem solidarischen und die Grundrechte respektierenden Bedürfnis heraus diese Position einnehmen, sondern sich aus ihrer ernstgenommenen Verantwortung gegenüber ihrem Bundesland, gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern ihres Landes und eben auch und ganz zentral gegenüber der in ihrem Bundesland zirkulierenden Kaufkraft heraus zu Wort melden. Es tut ganz Thüringen nicht gut, wenn die in Thüringen lebenden Hartz IV-Leistungsberechtigten keine Gaststättenbesuche unternehmen können, nicht unter Menschen kommen und generell viel zu wenig Kaufkraft entwickeln, um den Wirtschaftskreislauf Thrüngens auf dem Level zu halten, den er mit ihnen als ihre Teilhabe in Menschenwürde auslebenden Bürgerinnen und Bürgern erreichen müsste. Man könnte es also auch als Eigeninteresse deuten, wenn sie für alle Hartz IV-Empfänger*innen eine menschenwürdig hinreichende Erhöhung des Hartz IV-Regelbedarfs fordern - selbst wenn sie effektiv nur die Hartz IV-Empfänger*innen Thüringens im Blick haben.

Es ist ein Problem dieser Gesellschaft, dass sich viel zu viele Stakeholder - Gruppen, Verbände und Organisationen, die eint, dass sie ein Interesse an einer möglichst hohen Massenkaufkraft haben - vollständig aus der Diskussion um den Hartz IV-Regelbedarf heraushalten, obwohl sie verdammt gute Argumente für eine Erhöhung hätten und auch dazu beitragen sollten. Der Einzelhandel etwa hat ein gigantisches Interesse an einer möglichst hohen Massenkaufkraft! Wo bleiben Edeka, REWE, ALDI, Metro, Lekkerland, Tengelmann, Globus, dm-Drogeriemarkt, Rossmann und das Management der Schwarz-Gruppe?? Wo sind die Riesen der Elektronik-Branche, Euronics, Electronic Partner (EP, Medimax), Expert, Metro Group (nochmal wg. MediaMarkt, Saturn), Bünting (Telepoint) und Globus (Alpha Tec)?? Wo bleiben die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Bundesländer, in denen deren Filialen liegen und in denen die Betroffenen leben??

Thüringen steht jetzt da!!
so-zi-al am 22.9.16 16:29


DGB fordert unabhängige Kommission für armutsfeste Hartz-IV-Leistungen

Zum Weltkindertag fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) eine unabhängige Kommission, die endlich armutsfeste Hartz-IV-Leistungen schaffen soll. Ausgangspunkt ist die Veröffentlichung der Regelbedarfsdaten für das Jahr 2017, vor allem der Stagnation beim Regelbedarf für Vorschulkinder! In diesem Zusammenhang benutzt Annelie Buntenbach die Attribute "keinesfalls akzeptabel" und "nicht hinnehmbar" - und ich frage mich: Mit welchem Kaliber wird der DGB dieses Verdikt durchsetzen?



Armutsfeste Hartz-IV-Leistungen schaffen

DGB fordert unabhängige Kommission


Anlässlich der Kabinettssitzung diesen Mittwoch, bei der u.a. die Neuermittlung der Hartz-IV-Regelbedarfe auf der Tagesordnung steht, erklärt Annelie Buntenbach:

"Schon wieder werden statistische Rechentricks angewendet, um das soziokulturelle Existenzminimum zu bestimmen. Mit dieser fiskalpolitisch motivierten Kleinrechnerei von Hartz IV muss Schluss sein. Wir brauchen endlich ein methodisch sauberes und transparentes Verfahren zur Bestimmung der Regelbedarfe, das die tatsächlichen Kosten der Bedarfe, die zum soziokulturellen Existenzminimum gehören, besser abdeckt. Der DGB spricht sich dafür aus, eine unabhängige Sachverständigenkommission einzusetzen, die dem Gesetzgeber Vorschläge unterbreitet, wie die Regelsätze bemessen werden sollen. Zudem sollen die statistischen Ergebnisse im Sinne eines "Bedarfs-TÜVs" durch die Kommission geprüft werden.

Nach dem vorliegenden Gesetzentwurf sollen die Regelbedarfe - mit Ausnahme des Regelbedarfs für Kinder im Alter von sechs bis dreizehn Jahren - nur geringfügig steigen, der Regelbedarf von Vorschulkindern soll sogar stagnieren. Die "Nullrunde" bei den Vorschulkindern führt aufgrund von Kaufkraftverlusten zu einer Schlechterstellung, die keinesfalls akzeptabel ist.

Wer Kinderarmut ernsthaft bekämpfen will, darf sich nicht mit einer Erhebung zufrieden geben, die auf einer viel zu kleinen Stichprobe basiert. Nahezu zwei Drittel der Ausgabepositionen, mit denen die Regelbedarfe für Kinder unter 6 Jahren ermittelt werden, basieren auf Fallzahlen unter 100. Die Nullrunde für die Kleinsten und die höhere Anpassung bei den Schulkindern zeigen, wie wackelig die Berechnungen für die Bedarfe der Kinder sind. Den tatsächlichen Bedarfen von Kindern werden sie nicht gerecht. Das ist nicht hinnehmbar. Denn die Regelsätze für Kinder und Jugendliche haben eine besondere Bedeutung. Sie entscheiden nicht nur über die materielle Versorgung und Ausstattung, sondern auch über die Entwicklungschancen."

Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 093 vom 20.09.2016

www.dgb.de
so-zi-al am 20.9.16 16:07


Zusammenleben wird bestraft

Eine Analyse zum BVerfGs-Urteil 1 BvR 371/11

Katja Kipping hat am 7. September auf Twitter mit den Worten "Zusammenleben wird bestraft" ein Bundesverfassungsgerichtsurteil bzw. die dadurch bestätigte Regelung im SGB II angegriffen. Ich habe die Urteilsbegründung analysiert und die Kritik ausformuliert.

Die Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen die Berücksichtigung von Einkommen eines Familienangehörigen bei der Gewährung von Grundsicherung (Pressemitteilung) ist besonders kritikwürdig in Bezug auf die Randnummern 50, 64 und 72. Das Urteil berücksichtigt überhaupt nicht den Faktor Zeit!

Die Fallkonstellation beim Bundessozialgericht eignet sich gut, um in den Fall und den Verfahrensgang einzusteigen.
In aller Kürze: Ein Ende 2006 Einundzwanzigjähriger lebte mit seinem Vater in einer gemeinsamen Wohnung und hatte gegenüber dem Vater keine Unterhaltsansprüche mehr. Weil er nach einer kurzen Beschäftigung, deren Entgelt seinen Bedarf noch einmal zeitweilig deckte, weder Einkommen erzielte noch über Vermögen verfügte, beantragte er Leistungen nach dem SGB II. Die ein Jahr jüngere Schwester verfügte über eigenes Einkommen und machte keine Ansprüche nach dem SGB II geltend. Sollte sie Unterhaltsansprüche an den Vater gehabt haben, so hätte sie diese vermutlich nicht geltend machen können, weil die Erwerbsunfähigkeitsrente des Vaters - eine vom Bundesverfassungsgericht festgestellte Tatsache - die unterhaltsrechtlichen Freibeträge nicht übersteigt. Weil das Jobcenter nichtsdestotrotz dieses Einkommen anrechnete und weil dem Einundzwanzigjährigen ohnehin nur ein Regelsatz in Höhe von 80 vH gemäß § 20 Abs 2 Satz 2 SGB II zuerkannt worden war (heute: Regelbedarfsstufe 3), klagte er gegen diese geballte Ungerechtigkeit.

Die Verfassungsbeschwerde gegen die Berücksichtigung von Einkommen eines Familienangehörigen bei der Gewährung von Grundsicherung wurde am 27. Juli 2016 unter dem Aktenzeichen 1 BvR 371/11 als unbegründet abgewiesen. Leitsatz: "Bei der Ermittlung der Bedürftigkeit für die Gewährung existenzsichernder Leistungen (Art. 1 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 20 Abs. 1 GG) kann grundsätzlich unabhängig von einem Unterhaltsanspruch das Einkommen und Vermögen von Personen berücksichtigt werden, von denen in der familiären Gemeinschaft zumutbar zu erwarten ist, dass sie tatsächlich füreinander einstehen und 'aus einem Topf' wirtschaften."

Kritik

Die in Rn. 64 absolut ausgeschlossene Unterdeckung hinsichtlich der Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums des mit 21 Jahren (erwachsenen) Kindes wird mit der bedenkenlos in Kauf genommenen Unterdeckung des Lebensunterhalts des Vaters erkauft, dessen Einkommen laut Rn. 50 die unterhaltsrechtlichen Freibeträge gar nicht übersteigt!

Die in Rn. 64 vorausgesetzte Verhinderung der Unterdeckung setzt tatsächlich die von den individuellen Grundrechtsträgern offensichtlich unerwünschte Verweigerung der Existenzsicherung durch den Vater voraus oder erzwingt gegen den Willen der Betroffenen den zwar leistungsrechtlich ohne Nachteile möglichen, aber volkswirtschaftlich unnötige Kosten und soziale Verwerfungen verursachenden Auszug aus der häuslichen Gemeinschaft.

Die Verweigerung der Existenzsicherung durch den Vater und eine Erzwingung des Auszugs aus der (noch einmal besonders geschützten) häuslichen Gemeinschaft gegen den Willen aller Betroffenen sind aber von keinem Gesetzgeber durchsetzbar, da die Verfassung keinen paternalistischen Staat zulässt.

Kulminiert begründet wird dieses Ansinnen in Rn. 72 letztlich mit einer "Schonung der Solidargemeinschaft", die hier verfassungswidrig als gesetzgeberischer Primat angenommen wird, obwohl das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 9. Februar 2010 unmissverständlich eindeutig gemacht hatte, dass nur mit einem Grundrecht auf Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums aus Art. 1 Abs. 1 GG in Verbindung mit dem Sozialstaatsprinzip des Art. 20 Abs. 1 GG die verfassungsgemäße Verpflichtung aller staatlichen Gewalt eingelöst werden kann, die Menschenwürde zu achten und zu schützen. Eine "Schonung der Solidargemeinschaft" würde den Primat der Achtung und des Schutzes der Menschenwürde nach Artikel 1 Grundgesetz abschaffen und einer "Sozialpolitik nach Kassenlage" Tür und Tor öffnen!

Wie abgehoben die Rechtsprechung und die Hartz IV-Gesetzgebung vom Schutz der Grundrechte tatsächlich sind, zeigt sich nicht nur in der im Gegensatz zwischen einer zeitlosen Urteilsbegründung in Schriftform und allein dem zur Lösung vorgeschlagenen Auszug, sondern vor allem in den epochalen Abgründen zwischen dem Auftreten des Problems im Bewilligungszeitraum vom 1.10.2006 bis zum 31.3.2007 und der "endgültigen" Entscheidung im Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 27. Juli 2016! Der 1985 geborene, damals 21-jährige Kläger ist heute wohl an die 31 Jahre alt und kann unmöglich den vorliegenden Beschluss als Entscheidungsgrundlage für seinen baldmöglichen Auszug bis spätestens zum 31.10.2006 (kein Tippfehler!) heranziehen, denn der Moment, in dem dieser Schritt zur tatsächlichen Verhinderung leistungsrechtlicher Nachteile vonnöten gewesen wäre, liegt zehn Jahre oder - in Hartz IV-Termini - neun Regelbedarfsanpassungen zurück!
so-zi-al am 14.9.16 02:08


Mindestlohn zur Existenzsicherung!

Sachen gibt's…

Ich bin heute in den Weiten des Internet über ein ausgesprochen merkwürdiges Buch gestolpert. Es heißt - vielversprechend klingend - : "Mindestlohn zur Existenzsicherung?" und ist von Dr. Christian Helmrich. Erschienen ist es 2015 in der Nomos Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG Baden-Baden, und dementsprechend fand ich es im nomos-shop.de beschrieben. Allerdings musste ich mir im Klappentext diese Verknüpfung gefallen lassen:
"Als 'internalisierendes Sozialrecht' dient er [der allgemeine Mindestlohn] der Existenzsicherung der Arbeitnehmer. Aber belastet werden für dieses gesamtgesellschaftliche Ziel nur die Arbeitgeber."

Die angebliche "Leseprobe" (PDF) stellte sich zwar als kaum mehr als das Inhaltsverzeichnis heraus, aber immerhin konnte ich aufgrund dessen feststellen, dass es sich bei dem Buch um eine Dissertationsschrift handelt:
"Die Abhandlung wurde von der Fakultät für Rechtswissenschaft an der Universität Regensburg als Dissertation angenommen."

Wenn nicht gerade eine völlig kenntnisbefreite Person vom Verlag den Klappentext zu verantworten hat, haben entweder die Fakultät für Rechtswissenschaft an der Universität Regensburg oder die Nomos Verlagsgesellschaft nicht gut genug aufgepasst, um diesen Mumpitz auszusondern und als gefährlichen Sondermüll zu entsorgen!

Denn erstens ist die Existenzsicherung der Arbeitnehmer (!) offenkundig kein "gesamtgesellschaftliche Ziel" und zweitens werden die Arbeitgeber nicht damit "belastet", sondern schöpfen vielmehr durch Ausbeutung der Arbeitskraft der Arbeitnehmer den Mehrwert ab!

Der Autor versteigt sich sogar zu der Behauptung, der Mindestlohn sei verfassungswidrig! Abschließend biete er einen Blick auf alternative Modelle", unter denen ihm "insbesondere Kombilöhne nach Muster des US-amerikanischen Earned Income Tax Credit" lohnenswert erscheinen. Nee, is klar!

Wer mit mir über das Buch diskutieren möchte, sende es mir bitte zu, damit ich es lesen kann. Ganz aufgeben würde ich die Hoffnung nämlich nicht, denn immerhin ist das Buch Teil der Reihe Equality-Oriented Policies (EOP), was eigentlich ganz vernünftig klingt…
so-zi-al am 14.9.16 00:47


Kinderbuch klärt auf über Terrorhysterie

In ihrem Buch "Emmas Welt steht Kopf" (im Original: "Mum Hunt") gibt Gwyneth Rees im Duktus der elfjährigen Emma folgendes Statement ab:
"[Mein Dad] möchte gerne, dass wir uns sicher fühlen und denken, es könnte uns nie so etwas passieren - aber das funktioniert leider nicht so gut, wenn er gleichzeitig so tut, als würden wir sofort ermordet, wenn wir nicht ganz furchtbar aufpassen."
Damit erklärt sie so dermaßen einfach, dass selbst Angela Merkel oder Heiko Maas es verstehen müssten, den Zwiespalt zwischen dem Sicherheitswahn von Behörden, der längst in Terrorhysterie übergegangen ist, und Freiheit. Für (wirklich) Erwachsene formuliert man diesen Sachverhalt normalerweise mit Benjamin Franklin so:
"Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren."
Aber das ist so Leuten wie den oben Genannten wohl leider zu hoch…
so-zi-al am 7.8.16 18:37


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