Hans-Werner Sinn, Kommunist
Der
FOCUS hat einen kleinen Disput zwischen Hans-Werner Sinn als Autor des Buches "
Ist Deutschland noch zu retten?" und
Prof. Rudolf Hickel vom Institut für Arbeit und Wirtschaft (IAW) der Universität Bremen dokumentiert. Während ich die "erste Wachstumsthese"
Tarifwende noch ganz selbstkritisch als durchaus lehrreich empfunden habe, ist die "zweite Wachstumsthese"
Weniger Macht den Gewerkschaften ein höchst amüsantes und den Irrsinn der Neoliberalen aufs Trefflichste charakterisierende Kapitulation vor der Logik.
"Immerhin wird jetzt die Bedeutung der binnenwirtschaftlichen Nachfrage anerkannt. Sie besteht in der Tat nicht nur aus Konsum. Auch die öffentlichen Ausgaben entscheiden über die Aufträge der Wirtschaft. Der Aderlass bei den öffentlichen Investitionen und die staatliche Einsparpolitik kosten Nachfrage und Umsätze. Die Nachfrage nach Investitionen darf jedoch nicht der Nachfrage nach privatem Konsum gleichgestellt werden. Investitionen sind am Ende auf Konsum angewiesen. Warum springt denn trotz deutlicher Kostenentlastungen – auch durch zurückhaltende Lohnpolitik – der Investitionsmotor nur zögerlich an? Die erwirtschafteten Gewinne fließen eben nicht in neue Arbeitsplätze, sondern in lukrative Finanzanlagen irgendwo in der Welt. Der Kasinokapitalismus lässt grüßen. Dieses Kapital fehlt in Deutschland – nicht wegen zu hoher Löhne, sondern wegen zu großer Profitgier"
, so greift Hickel an, und
Hans-Werner Sinn, auch ich konnte es zuerst kaum glauben, muss bekennen, dass der Kapitalismus gegen die Wand rennt und er nur eine Lösung sieht: Kommunismus. Lest selbst:
"Die Profitgier der Kapitalisten ist in der Tat der Grund dafür, dass das Kapital in die Niedriglohnländer wandert. Aber was folgt daraus für unser Thema? Gar nichts! Da die Kapitalisten am längeren Hebel sitzen und sich nicht um deutsche Befindlichkeiten scheren, rennen wir vor die Wand, wenn wir dennoch überhöhte Löhne verteidigen wollen. Nun kann man natürlich daran denken, die Kapitalisten abzuschaffen und das Kapital gesellschaftlich verwalten zu lassen. Aber das haben wir schon einmal vergebens probiert. Ein System, das auf solche Lösungen setzt, rennt ebenfalls vor die Wand. Die Beule schmerzt uns Deutsche immer noch."
Die Hervorhebung ist von mir - das Wort "ebenfalls" aber hat Sinn selbst dorthin gestellt!
Zwar schwächt der Umstand Sinns Argument etwas ab, dass nirgendwo wirklich ein Thema genannt wird, aber ich gehe mal davon aus, dass es "Ist Deutschland noch zu retten?" lautet. Und wenn mich dann nicht noch irgendwo ein Denkfehler ereilt hat, dann steht hier im Klartext formuliert eigentlich: "
Die profitgierigen Kapitalisten schaffen das Kapital in Steueroasen und investieren in Niedriglohnländer. Wir können nichts dagegen tun. Deutschland ist nicht mehr zu retten. Es gäbe da den Kommunismus, um den Kapitalisten das abzugewöhnen. Kommunismus mag ich zwar nicht, aber der Kommunismus ist die Lösung." Wer hätte das gedacht?!