Ich zitiere einen guten Ratschlag, der bei der "Allgemeinen Zeitung" online (interessanterweise unter "Meldungen") zu finden ist:
Seit Jahresbeginn sind die Börsenkurse weltweit gestiegen. Anleger sollten aber vorsichtig sein, wenn sie von diesem Trend profitieren wollen. Auch wenn die Darlehenszinsen derzeit günstig sind, sollten Anleger keine Wertpapiere auf Kredit kaufen, empfiehlt die Aktion "Finanzwissen für alle" der Fondsgesellschaften. Denn wer Schulden mache, um zu investieren, könne unter dem Strich verlieren, wenn die Kurse sich ungünstig entwickeln. Grundsätzlich sollten Anleger nur das Geld in Aktien stecken, das sie langfristig entbehren können.
An diesen guten Tipp sollte man sich unbdingt erinnern, wenn man in Finanzmarktnachrichten über das Wort "Hebel" stolpert!!
In der "Allgemeinen Zeitung" vom 28. April 2012 fragt Hägars Sohn Hamlet seinen Vater: "Papa, wie nennt man jemanden, der findet, dass der Rest der Welt irgendwie für sein Auskommen sorgen muss?" Hägar grübelt: "Hmmm..." Schließlich kommt ihm die Erleuchtung. "Ganz einfach", meint Hägar: "Einen Wikinger."
Bei Antenne Mainz 106,6 lief heute morgen gegen 8:35 Uhr ein Werbespot, der mich echt völlig fassungslos zurückgelassen hat. Es fing ganz harmlos an und deutete sogar eine völlig andere Branche an, als die, auf die es schlussendlich hinauslaufen sollte. Zwei Männer sprachen nämlich über eine Urlaubsreise, die sich einer der beiden - offenbar überraschenderweise - leisten wollte. Und dann kam's: Er erklärte nämlich, warum er sich diese Fernreise jetzt leisten könne. Er habe sich doch Energiesparfenster einbauen lassen - und von dem gesparten Geld könne er die Reise (endlich) bezahlen!
Da lag ich aber in der Ecke, Mann! Etwas so krass Dummes hatte ich nich nie gehört! Dass man das Energiesparen zum sinnlosen Energieverpulvern nutzen soll! Sparen um zu verschwenden!
Franz Hohler (aus der Schweiz) ist ein Dichter, soweit klar. Letztens fand ich auf einem Kaufhaus-Wühltisch seine Lyrik-Sammlung "Vom richtigen Gebrauch der Zeit" (PDF-Leseprobe) und las mich ein wenig rein. Da findet man Sachen, über die man schon mal anderswo stoßen konnte:
Die Selbstgerechten Und als der Irak Kuweit überfiel – habt ihr da auch demonstriert?
So fragen uns die die selber nie demonstrieren
und falten die Hände über den Bäuchen.
Dabei herrscht die freie Form vor. Dann auf einmal: ein gereimtes Gedicht. Ist eine Art Heimatgedicht, eine stimmungsvolle Fingerübung für Dichter. Hat mich trotzdem umgehauen. Also so richtig: Hyperventilation, weit aufgerissene Augen, das volle Programm totaler Ergriffenheit! Es ist schließlich auch eine Metapher für den "Rasenden Stillstand" nach Paul Virilio und Hartmut Rosa ("Beschleunigung - Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne"). Da in der Leseprobe keines der im Anschluss folgenden Serie von insgesamt vier gereimten Gedichte wiedergegeben wird, dachte ich mir, ich präsentiere dieses eine hier mal nach Art der Wissensgesellschaft - frei und unbeschränkt:
Abend, hoch oben Die Birken sammeln das letzte Licht die Felsen schimmern fahl die Häuser verlieren ihr Gewicht der Himmel sinkt ins Tal.
Der Bach folgt seinem alten Lauf von weit ein Glockenschlag ein Flugzeug schlitzt die Dämm'rung auf dann stirbt auch dieser Tag.
Wie kalt und klein die Sterne sind wie groß der Eichenbaum er rauscht im dunklen Abendwind als hätt er einen Traum.
Ist ja klasse! Deichkind hat die Wissensgesellschaft durchschaut und in Musik verpackt, wie man die Wissensgesellschaft gegen das Establishment erobert!
Deichkind
Illegale Fans
"Acht Millionen, schieß doch, Bulle, schieß!"
Wir tanzen um den Feuerberg aus lodernden CDs. Die Netzwerke sind scharfgestellt in unseren WGs. Dort fahrn wir die Systeme hoch und wippen uns in Rage. 99 Cent fürn Track verpuffen in der Blase. Die Dixie-Klos vom Hurricane schenken wir Lars Ulrich. Dort kann er gerne kacken gehen, Hacker sind geduldig. Keine Macht für Niemand, wir werden uns nicht stellen. Ihr seid das Imperium und wir sind die Rebellen!
Wir sind illegale, illegale, illegale Fans illegale, illegale, illegale Fans illegale, illegale, illegale Fans illegale, radikale, digtale Fans
Dieses Lied ist leider nicht verfügbar in Ihrm Land. Unsere Antwort kennt ihr sicher, sie heißt Widerstand! 6 Milliarden Terabyte, die Leitung brennt wie nie. Das hier ist kein Klingelstreich, das ist Anarchie! Fuck Saturn und MediaMarkt, Euer Kaufhaus müffelt! Wir schließen eure Tore zu und schlucken dann den Schüssel. Ihr wollt Krieg den könnt Ihr haben, wir laden die Waffen. Wir sind keine Einzeltäter, Mann, wir sind die Massen!
Wir sind illegale, illegale, illegale Fans illegale, illegale, illegale Fans illegale, illegale, illegale Fans illegale, radikale, digitale Fans
Wir sind neu und ham Verstand, Ihr könnt uns überhaupt nix! Wir zerbröseln eure Strategien mit jedem Mausclick. Ihr sagt wir sind verboten, weil wir zocken, stehlen, greifen. IP-Adressen sind gefälscht, wir gehen über Leichen. Ihr sagt wir sind kriminell, doch wir sind nur die User. Im Knast saugen wir weiter, Copyrights sind was für Loser! Tupac, Kurt und Marley, der Shit ist für uns alle da! Wir sind zu viel, wir sind zu nah, wir sind zu schnell: ihr könnt uns mal!
Im ersten Moment ist man versucht, dem Geschäftsführer der Münchner Buchhandlung Lehmkuhl, Marc Schürhoff, zu gratulieren: Er meldet im SZ-Interview über seinen Boykott des Guttenberg-Buches "Vorerst gescheitert" (kein Link) "Zweifel [an], dass das Buch etwas tauge" (dass Guttenberg also nicht nur vorerst gescheitert sei), erklärt sein alltägliches Buchhandelsgeschäft, auch anhand von Vergleichen mit Büchern des "ehemaligen Steinewerfers" (so ein Kunde) Joschka Fischer oder der "zu blöden" Autobiographie von Dieter Bohlen, und ist auch voll im Bilde, was die Zusammenhänge der medialen Aufregung um diesen Boykott betrifft.
In der zweiten Hälfte des Interviews kommt aber die Frage auf, welche Sachbücher denn in Schwabing besonders gut gehen. Und Schürhoff berichtet:
Unsere Kunden greifen schon auch zur Bestseller-Biographie von Steve Jobs. Sehr gut verkauft sich auch ein anderes Gesprächsbuch: "Zug um Zug" mit Helmut Schmidt und Peer Steinbrück. Das scheint den Geschmack unserer Kunden zu treffen: Sie sehnen sich eben nach einer moralischen Autorität.
Der Titel dieses Beitrags wurde einem "taz"-Artikel entnommen, der mit dem Titel '"Heinz Erhardt gehört allen"' einen O-Ton von Klaus Kämpfe-Burghardt, Geschäftsführer der Verlagsgruppe Ueberreuter (u.a.: Lappan) referenziert, der eigentlich so etwas wie "[E]s gebe auch das Gefühl: Der gehört allen." gesagt hatte und damit gerade das Gegenteil, dass nämlich Erhardt nicht allen gehöre, gemeint hatte.
Hintergrund ist der Versuch des Lappan-Verlags, gegen diverse Anbieter nicht-lizensierter Erhardt-Texte - auch kleinere, nicht-professionelle wie Blogs - vorzugehen. Lappan soll sich zu diesem Schritt gezwungen gesehen haben, weil man etwa 7000 Verstöße gegen ihr Urheberrecht registriert habe. "Da kommt der Respekt ein bisschen kurz", rechtfertigt sich Kämpfe-Burghardt. Der Schuss ging - wie so oft - nach hinten los. Die Webgemeinde wehrt sich, beschwert sich bei Erhardts Erbengemeinschaft, die davon nichts wissen will, sich - aller Ehren wert! - sogar distanziert. "Wir waren schon überrascht von der Vehemenz der Reaktionen im Netz", erzählt Kämpfe-Burghardt der "taz". "Am Montag haben wir uns auch gefragt: Was ist denn da plötzlich los?"
Dabei hat der Kerl ein sonniges Gemüt! Am Rande bemerkt er:
"Als Verlag sehen wir die Verpflichtung, unsere Autoren zu schützen." (Als ob der große Heinz Erhardt das 31 Jahre nach seinem Tod noch nötig hätte!) "In zehn Jahren kann man solche Verstöße vermutlich nicht mehr verfolgen, aber heute gibt es noch ein Unrechtsbewusstsein."
Schau da! In einem ziemlich klaren Bewusstsein der heraufziehenden Wissensgesellschaft und ihrer Konventionen (freies Wissen für alle) will Lappan also noch schnell ein paar Kleine, die sich nicht wehrhaft dagegenstemmen können, ordentlich abzocken, bevor der Gesetzgeber die Grundlagen des Umgangs mit geistigen Schöpfungen an die neue Gesellschaftsformation anpasst! Euch Schweinepriestern sei's ins Poesiealbum geschrieben: In der Wissensgesellschaft, die auch Heinz Erhadts Ding gewesen wäre, gehört Heinz Erhardt allen!
Witzig ist nun: Heinz Erhardt hat ausgerechnet solchen Leuten wie Kämpfe-Burghardt ein Gedicht geschrieben!
Es scheint so
Es scheint so, daß auf dem Planeten, den wir so gern mit Füßen treten und ihn dadurch total verderben -- daß hier also nur Gute sterben!
Denn: las man je im Inserat, daß ein Verblichner Böses tat, daß er voll Neid war und verdorben, und daß er nun mit Recht gestorben?
Es kann hier keinen Zweifel geben: die Schlechten bleiben alle leben!
Wie bekloppt Journalisten heute sein können, ohne die geringsten Sanktionen ihrer Arbeitgeber befürchten zu müssen, sah man gerade wieder bei Tom Buhro von den "Tagesthemen". "Erfreulich" fand er die Nachricht der Bundesagentur für Arbeit, dass im November 2.713.000 Arbeitslose zu verzeichnen waren! "Dem deutschen Arbeitsmarkt geht es also gut", dabei waren gerade mal 24.000 Menschen weniger arbeitslos als im Vormonat. Nochmal: 24 Tausend (die eine Änderung ihrer Situation erfahren haben) gegenüber 2,7 Millionen, die bei "vollen Auftragsbüchern" nach wie vor draußen auf der Straße stehen. Können Auftragsbücher eigentlich voller als voll sein??
Mitten in die Schuldenkrise "platzt die gute Nachricht", kommentiert Sigmund Gottlieb diese "erfreuliche Nachricht". Der "robuste deutsche Arbeitsmarkt", den er halluziniert, auf dem die "Kurzarbeitbrücke" immer noch wirke, weise die "niedrigste Arbeitslosigkeit" seit... ach, wahrscheinlich seit jeher auf! Millionen Arbeitslose! Muss man so vertrottelt sein, um bei den "Tagesthemen" kommentieren zu dürfen?
Im SPIEGEL-Online-Artikel "Farbspiele im Salzbecken" in der Reihe "Satellitenbild der Woche" berichtet "wbr" vom Owens Lake im Osten Kaliforniens, der früher mit dem Searles Lake und dem China Lake ein Seen-Trio bildete, heute aber wegen der Trinkwassergewinnung für Los Angeles aus dem Owens River ausgetrocknet ist. Da dort nun halophile Mikroorganismen, sog. Archaeen gedeihen, färben sie die Wüste magentafarben, weswegen der Owens Lake von der Internationalen Raumstation ISS aus deutlich zu erkennen ist, wie die Großansicht der NASA belegen soll. Tolle Großansicht! Beeindruckendes Bild! - Und doch so lächerlich! Die Auflösung des von Google Maps gelieferten Kartenausschnitts ist dramatisch beeindruckender!