Manchmal frage ich mich, für wen ich eigentlich Politik betreibe. Das souveräne menschliche Subjekt, das in philosophischer Reflexion sich und seine Stellung in der Gesellschaft erkennt und dementsprechend politisch handelt, existiert de facto nicht mehr. Menschenrechtsverletzungen? Egal! Auch wenn man selbst betroffen ist. (Aber nicht mit mir!) Demonstration gegen Rechts(extremismus) gemeinsam mit Rechten (von SPD und GRÜNEN)? Egal! (Aber nicht mit mir!)
Und was machen die Leute, wenn ganz einfache Probleme zu bewältigen sind? - Du ahnst es nicht!
In Mainz ist zur Zeit der Entschuldungsfonds im Gespräch, ein Landesprogramm, mit dem "klamme Kommunen" einen Teil ihrer Schulden an das Land abtreten dürfen, wenn sie als Gegenleistung ein paar "Einsparungsvorschläge" anbieten können. Da die Schuldenlast der Kommunen in erster Linie aus einem Einnahmenproblem resultiert, gewinnen die Kommunen gar nichts. Alles, was ihnen bleibt, sind die teilweise offenkundig radikalen "Einsparungen", die in Wirklichkeit Kürzungen oder noch drastischer kulturlose Barbarei sind.
Besonders geärgert haben mich die Beratungen des Kulturausschusses über finanzielle Einschnitte für die Stadtbibliothek. Die Wissenschaftliche Stadtbibliothek und das Stadtarchiv sollen zerschlagen und aufgeteilt werden, um das jetzige Gebäude in der Rheinallee zu verkaufen, und durch 20 Stelleneinsparungen eine gewaltige Last an diesen "Einsparungsvorschlägen" tragen. Die Mainzer Bibliotheksgesellschaft e.V. hat dagegen eine Petition "Der Bestand der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek Mainz darf nicht zerschlagen werden!" gestartet und 5283 Unterstützer-Unterschriften gesammelt, darunter meine - übrigens explizit als OB-Kandidat getätigt. In der Sitzung des Kulturausschusses hat Thomas Busch, Vorsitzender der Mainzer Bibliotheksgesellschaft, diese 5283 Unterschriften gegen die Zerschlagung der Wissenschaftlichen Bibliothek an Kulturdezernentin Marianne Grosse übergeben. So weit, so gut. Und was berichtet die "Allgemeine Zeitung" dann?
Thomas Busch widersprach der Auffassung von Grosse, als er sagte, dass die Pflege des Bestands nicht gesichert sei. "Ziel ist es, dass von 33 Stellen nicht wie geplant 20, sondern nur zehn eingespart werden. Mir geht es darum zu sagen, dass noch Luft ist. Und darum, zu verhindern, dass die Stadtbibliothek mit zwei blauen Augen davonkommt - eines reicht auch."
Mit dem robusten Mandat von 5283 Unterzeichnern gegen die Zerschlagung der Wissenschaftlichen Bibliothek in der Hand fängt dieser Mann ohne jede Not an um das Ausmaß der "Einsparungen" zu schachern! Er wünscht sich das blaue Auge, anstatt Gesichtsverletzungen kategorisch auszuschließen! So also geht Thomas Busch mit meiner Unterschrift um!!
Noch tragischer scheint mir der Fall der Mainzer Hundehalterinnen und Hundehalter, die sich gegen die teilweise drastische Erhöhung der Hundesteuer wehren wollen und zuletzt im Rahmen einer Demo rund 3500 Unterschriften sammelten, um Rederecht im Stadtrat zu erhalten. Kathrin Prang, Hundetrainerin und Organisatorin der "Hunde-Demo" (AZ), wurde von der "Allgemeinen Zeitung" zum Anliegen der Hundehalterinnen und Hundehalter interviewt. Erst macht sie - als professionelle Hundehalterin - ihre Sache ausgezeichnet, weist darauf hin, dass Hunde keine Sachen sind, sondern Lebewesen und bemängelt, dass die Stadt nichts für Hunde und Tierschutz tut und keine Freilauffläche bereitstellt, wo man seinen Hund auch mal ohne Leine bewegen kann. Und dann?
"Ich weiß, dass die Hundesteuer nicht zweckgebunden ist, dennoch sage ich: ein jährliches Plus von 25 Euro ist für uns die Schmerzgrenze."
Mit 3500 Unterschriften in der Hand gegen die geplante Hundesteuererhöhung macht Frau Prang ohne jede Not ein Angebot des "Entgegenkommens", zu dem sie gar kein Mandat hat! Schlimmer noch: Nach dieser Frage wird sie von der AZ an einen ihrer Kritikpunkte erinnert, "dass Kleinverdiener sich mit höherer Steuer keinen Hunde mehr leisten können". Man kann ihr zwar zugute halten, dass sie eine Staffelung nach sozialem Hintergrund und Einkommen als "viel sinnvoller" erachtet, wobei sie auch die aktuellen Limits kennt, dergestalt, dass "viele alte Menschen bestimmt nicht bei der Stadt einen solchen Antrag stellen" wollten. Aber was bringt die Frau dazu, diesen sozialen Gesichtspunkt auszublenden und ein Angebot in die Waagschale zu werfen, für das sie gar kein Mandat hat? Warum fühlte diese Frau sich (und das nur in einem Interview, nicht gegenüber dem politischen Gegner) gezwungen, in Eigenregie einen Kompromiss vorab zu modellieren, der ihrem Anliegen Hohn sprach? Wenn man es verhandlungsstrategisch ernst nähme, wäre schon die "keine Hundesteuererhöhung!"-Forderung Humbug, weil ein möglicher Kompromiss tatsächlich auf 25 Euro mehr und damit eine faktische Erhöhung hinauslaufen könnte. Da man auch Forderungen an die Stadt hat (insbesondere die Freilauffläche), könnte man die Steuerzahlung komplett aussetzen und erst wieder Hundessteuer zahlen, wenn tatsächlich eine Freilauffläche ausgewiesen wird - natürlich maximal zum heute üblichen Satz!
Was bringt diese Menschen dazu, ohne jede Not ihre tausendfach gestärkten Standpunkte aufzuweichen und in vorauseilendem Gehorsam ein (zumindest) für sie nachteiliges Kompromissangebot auf den Tisch zu legen? Ist es die dafür fällige Belohnung, ausgerechnet von OB Beutel, der ihr gegenüber bei der Übergabe der Unterschriften bekundete:
Was ihm an der Initiative imponiere, sei die Tatsache, dass sie einen Gegenvorschlag gemacht habe, "der auch ein konstruktiver Vorschlag ist - das findet man nicht bei allen Bürgerinitiativen".
Im "trendshop"-Prospekt des Katalogs von DerClub fand ich einen "Preis-Hit", der einen im wahrsten Sinne des Wortes umhaut. Da wollen die für einen ca. 150 cm hohen Plastikbambus ("naturgetreu nachgebildeter Kunstbambus im Terrakottatopf, Blätter aus Textilgewebe") unfassbare 119 Euro haben! Sind die des Wahnsinns fette Beute? Wie sollte denn da "Asia-Flair für Ihr Zuhause" aufkommen, wenn man weiß, dass man in diese billige Imitation 119 Euro versenkt hat? Bei 10 Euro würde ich ja nichts sagen, zumindest rein preislich gesehen ließe sich ein solches Angebot nachvollziehen. Kaufen würde ich den sinn- und zwecklosen Kitschplunder natürlich trotzdem nicht! Schade um die verschwendeten Ressourcen und die sinnlos vergeudete Arbeitszeit!
Angeblich gab es heute Nacht um 2:36 Uhr ein Erdbeben der Stärke 3,5 auf der nach oben offenen Richter-Skala in Mainz und Wiesbaden und sogar heute Morgen noch ein schwächeres Nachbeben. Das Beben in der Nacht könnte ich eigentlich mitbekommen haben, denn ich habe bis kurz nach 2 Uhr gearbeitet - wenn ich nicht offenbar gerade genau um die Uhrzeit eingeschlafen wäre. Ich habe jedenfalls keine Gläser klirren hören und kein Bücherstapel ist umgefallen. Und um 6:52 Uhr habe ich definitiv noch tief geschlafen Nächstes Mal sagt Ihr mir vorher Bescheid, okay?!
Wenn man in Mainz eine Reihenfolge von vier gesellschaftlichen Ereignissen aufstellen wollte, dann könnte man sie etwa nach der Zahl der Teilnehmer reihen:
ein Heimspiel von Mainz 05 mit gut 20.000 Fans
der Fastnachtsauftakt am 11.11. um 11:11 Uhr mit (nominell) 5.555 Narren
der Anti-Atom-Montagsspaziergang mit rund 200 Teilnehmern und
die Jeden-Monat-Demo mit einem guten Dutzend Hartgesottenen.
Genausogut könnte man diese Ereignisse natürlich nach ihrer gesellschaftlichen Relevanz reihen - was witzigerweise die Reihenfolge genau umkehrt:
die Jeden-Monat-Demo protestiert gegen die die Gesellschaft zerreißende soziale Spaltung
der Anti-Atom-Montagsspaziergang richtet sich gegen die - im Wesentlichen unpolitische - Verschacherung des Atomausstiegs unter Amigos im Hinterzimmer und fordert eine andere Politik (als ob die Laufzeitverlängerung ein politischer Akt gewesen wäre...)
der Fastnachtsauftakt am 11.11. läutet die fünfte Jahreszeit ein, in der eigentlich die Narren regieren sollten, doch sie lassen sich nur noch leichter verarschen
und schließlich ein Heimspiel von Mainz 05, wo es nur noch um Brot und Spiele und damit um Ablenkung von den politischen und gesellschaftlichen Skandalen und dem drohenden Bürgerkrieg geht...
Am 24. September 2010 war Revolverheld zu Gast in Wiesbaden. Es war so langweilig, dass wir gegangen sind, noch bevor sie ihren "Hit" "Spinner" gespielt haben. Bei YouTube.com findet man eine Übersicht des Angebots an Bootleg-Filmchen. Der Song "Ich werde nie erwachsen" war ja ganz gefällig, aber zu mehr Geduld hat es nicht gereicht. Abgesehen davon ist "Spinner" ja auch kein wirklich gutes Lied, weil es zwar "Spinner" heißt, aber von Bekloppten handelt...
Beispiele gefällig? Hier:
Sie hat jahrelang geschrieben / an alle Firmen ihrer Stadt / doch es kam nie was wieder
[Ob die Firmen sie wohl nicht wollen? Na, und? Von Arbeit muss man leben können, ohne Arbeit auch!]
Oder dies:
Sie spielt tausend kleine Rollen / und will nach Hollywood / hat das alles hier so satt
[...weil es in Hollywood soooo anders ist...]
Oder dies:
Sie trägt die Teller schon seit Jahren / und spart jeden Cent / für ihr eigenes Café
[Warum übernimmt sie denn nicht dieses??]
Und natürlich das:
Er is eigentlich Elvis Presley / nur wiedergeboren / die Leute wer'n schon sehn
Mann, das war ein Konzertwochenende! Am Freitag war ich bei Leonard Cohen, am Samstag bei den Rattles und Kim Wilde auf dem SWR1-Sommerfest und heute bei Chris de Burgh auf dem (frecherweise abgesperrten) Höfchen (aber ich hatte ihn permanent im Blick und wenn nicht, dann weilten meine Augen beim Gitarristen).
Von Leonard Cohen kenne ich zuwenig, um über die Setlist zufrieden oder enttäuscht zu sein (zumal ich nur "the second half of the show" mitbekommen habe), aber es war sehr gut! Und zum Abschluss wurde ein Feuerwerk aufgeboten, das zwar nicht unbedingt zum Künstler passte, aber zum Veranstaltungsrahmen auf dem Bowling Green durchaus.
Aha! a-ha is (soon) gone, but Alphaville is back! Guter Tausch!
Leider klingt der Titel der neuen Single nicht besonders nachhaltig: "I die for you today"... Der Song ist aber allererste Sahne" Wirkt wie eine Zeitmaschine zurück in die 80er! Hoffentlich hält die Band es etwas länger aus, als dieser Titel es verspricht!!!
Wer den auf drei Tage ausgelegten "Großen Räumungsverkauf" beim Mainzer Tengelmann in der Nackstraße ausnutzen wollte, währenddessen der Markt täglich von 7 bis 22 Uhr geöffnet bleiben würde und bei dem auf (praktisch) alles ein Rabatt von 50 Prozent gewährt wurde, kann sich den Weg eigentlich sparen, sofern man die Inspektion leerer Hallen nicht zu seinen Hobbys zählt. Als ich heute Abend reinschaute, war bereits fast alles weg! Eigentlich könnte man dort morgen, wenn wirklich alles restlos liquidiert wurde, irgendeine Veranstaltung organisieren, wenn der Ex-Markt wirklich von 7 bis 22 Uhr geöffnet, aber nicht mehr zu holen ist
Die Saison-Yogurette Maracuja ist klasse, schmeckt besser als die Original-Erdebeer-Yogurette! Und zwar sind sowohl die geschmackliche Komposition als auch die Yogurt-Mix-Haptik rundum besser gelungen.
Derweil wundert mich ein anderes Schokoladen-Phänomen: Wieso können 250 g Weinbrandbohnen nur 99 Cent kosten? Angesichts üblicher Schokoladenpreise, angesichts der alkoholischen Füllung und der damit verbundenen Extrasteuer und angesichts des Verbraucherschutzes ist das doch wohl ein Ding der Unmöglichkeit!
Schon krass, was diese Welt bietet: Am Nachmittag durfte ich im nahezu menschenleeren Wald hinter Idstein noch einem Rudel Hirschen begegnen und habe eine ca. 25 cm lange Schlange im Gras entdeckt. - Und am Abend war ich auf der ersten Mainzer NachtTanzDemo, die offenbar so wild war, dass niemand mitbekam, wie Lena den Eurovision Song Contest in Oslo für sich entschied.