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Sibirien
Netzer auf Sylt
Zur Verhältnismäßigkeit der Mittelverteilung habe ich ein neues Bild von Maßlosigkeit erhalten. Am Sonntag wurde in der "Evi-Show" auf SWR3 Günter Netzer interviewt. Dabei ließ er durchblicken, dass er Sylt mag, und zwar am liebsten - was ihn mir ja sehr sympathisch macht! -, wenn dort "schlechtes Wetter" herrscht, für Euch Landratten heißt das also bei Inselwetter: steife Brise und ordentlich Seegang!
Weniger lustig fand ich es, dass Günter Netzer, 64, wohnhaft in der Schweiz, es versucht, jedes Jahr zwei- bis dreimal nach Sylt zu fahren. Ich soll mich also entscheiden zwischen der Monatskarte auf Sozialausweis, um meine Tochter vom Kindergarten abholen zu können, und einem Ansparbetrag auf einen neuen Kühlschrank, und der olle Gladbach-Kicker gondelt nicht nur einmal, nein, gleich zwei- oder dreimal durch halb Europa, um auf Sylt lustzuwandeln!
Hier ist jedes ökologische, ökonomische und soziale Maß verloren gegangen!
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Superlativ des Tamagotchi
Die letzte Zeit ging ich stets davon aus, dass es sich beim Tamagotchi um ein wunderbares Beispiel dafür handele, wie verrückt diese Welt schon ist, dass sie Fabriken und Vertriebsnetze für einen Markt schafft, der nicht existiert und bis dahin faktisch nicht nachgefragt wird.
Jetzt sind die Nintendogs da....
Aber es scheint doch noch ein heftigeres Beispiel totaler geistiger Leere und gleichzeitig überlaufender Bankkonten zu geben, wie es diesen Monat auf dem Backcover des Mainzer Monatsmagazins "Mainzer" erschien: Die Espressomaschine!
Mein Kommentar zu diesen überflüssigen, Hunderte von Euro kostenden Kaffeeautomaten:Da stelle mer uns janz dumm. Also, wat is en Dampfmaschine?
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so-zi-al am
18.11.05 01:50
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Terri SchiavoTerri's struggle for life has ended.
December 3, 1963 - March 31, 2005
Der Mord an Terri Schiavo ist vollbracht.
A final thought to share from the Schindler family:
Our family had hoped this day would never come, but as it has now arrived, we ask ourselves a question in these incredibly sad circumstances: What would the Lord Jesus ask us to do in a moment like this? In John’s Gospel, Jesus responded to the questions of the rabbis, who asked why a man had been born blind. He said: “it is so that the works of God might be made manifest through him.”
God’s plan for Terri is unfolding before our eyes. Our prayer at this time is that our Nation will remember the plight of persons with disabilities and commit within our hearts to defend their lives and their dignity for many generations to come.
Johannes-Evangelium (English)
As he passed by, he saw a man blind from his birth. And his disciples asked him, "Rabbi, who sinned, this man or his parents, that he was born blind?" Jesus answered, "It was not that this man sinned, or his parents, but that the works of God might be made manifest in him.
Johannes-Evangelium (deutsch) Joh. 9,1-3, Die Heilung eines Blinden
Unterwegs sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst? Oder haben seine Eltern gesündigt, sodass er blind geboren wurde? Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden.
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Galoppierender Clement-WahnsinnAls Bundeswirtschafts- und -arbeitsminister beschwert sich Wolfgang Clement bitter über die Abschiebung von Komapatienten und anderen (mehr oder minder) offensichtlich nicht Arbeitsfähigen in das Arbeitslosengeld II. Die Bundesregierung (doch warum sollte man die Federführung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Soziales anzweifeln?) aber schaltet in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ganzseitige Anzeigen, um mit der extrem gesunkenen Zahl der Sozialhilfeempfänger anzugeben! WAAAHNSINN!!!
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so-zi-al am
28.3.05 21:51
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SommergefühleRon Sommer ist längst Geschichte, da bemüht er - mit seiner Geschichte - das Bundesverfassungsgericht. Im Jahr 2000 hat die Wirtschaftswoche eine satirisches Fotomontage veröffentlicht, mit der das Magazin den desaströsen Einfluss des damaligen Vorstandschefs auf den Zustand der Deutschen Telekom AG darstellen wollte (erhalten im Artikel "Ron Sommer-Satire" bei medienweb.de). Ron Sommers Gesicht wurde auf den Körper eines x-beliebigen Mannes montiert, der auf dem abbröckelnden magentafarbenen T des Konzerns sitzt. Dabei ist dem Monteur wohl ein Missgeschick passiert; vielleicht wollte er auch nur die Proportionen anpassen. Jedenfalls wurde der Gesichtsausschnitt mit Ron Sommers Physiognomie um 5% gestreckt. Das, fand dieser, würde ihn nachteilig darstellen: "das Gesicht erscheine insgesamt länger, die Wangen fleischiger, der Kinnbereich fülliger, der Hals kürzer und dicker und die Hautfarbe blasser" - ohne dass dies zur Satire beitragen würde (was sicher stimmt).
Zunächst gab ihm der Bundesgerichtshof einen Korb, weil man nicht Teile der Satire herausgelöst beurteilen könne, da dies die Meinungsfreiheit des satirischen Werks aushebeln würde. Heute aber hat das Bundesverfassungsgericht diesen Gefühlen und Persönlichkeitsrechten Vorrang eingeräumt: Manipulierte Porträtfotos verstoßen gegen das Persönlichkeitsrecht, oder anders gesagt das Verfassungsgericht ist der Auffassung: Fotomanipulationen müssen erkennbar sein. Gemeldet wird Ron Sommers Sieg in höchster Instanz.
Die Pressemitteilung Nr. 27/2005 vom 22. März 2005 des Bundesverfassungsgerichts erweckt nicht gerade den Anschein, dass man es sich schwer gemacht habe mit dem Urteil."Fotos suggerieren Authentizität und der Betrachter geht davon aus, dass die abgebildete Person in Wirklichkeit so aussieht. (...) Eine unrichtige Information ist unter dem Blickwinkel der Meinungsfreiheit aber kein schützenswertes Gut. Dies gilt auch bei der Verwendung von fotografischen Abbildungen in satirischen Kontexten, wenn die Manipulation für den Betrachter nicht erkennbar ist und er daher die Veränderung nicht als Teil der für satirische Darstellungen typischen Verfremdungen und Verzerrungen deuten und damit für seine Meinungsbildung bewertend einordnen kann". Besonders hervorgehoben habe ich die Zweifel der Erkennbarkeit, die gar nicht weiter ausgeführt sind. Denn obwohl klar ist, was gemeint ist, nämlich die klare Erkennbarkeit von Spuren einer Manipulation, kann man gerade diese Formulierung natürlich auch umgekehrt verstehen: Ist denn für den Betrachter (abgesehen von Ron Sommer) eine 5%ige Streckung überhaupt erkennbar? Unterscheidet sich der gestreckte Sommer wesentlich vom Original? Der SPIEGEL ist in diese Falle voll hineingetappt und schreibt "Sommers Gesichtszüge wurden - für den Betrachter nicht erkennbar - nachteilig verändert." (im völlig übertrieben betitelten Artikel "Karlsruhe verbietet Bildmanipulation" ) und bricht damit einer in Deutschland sicher nicht so gewollten amerikanischen law-and-order-Mentalität Bahn. Was ist denn mit einer ganz üblichen Glättung der Frisurensilhouette, mit physikalisch unvermeidlichen Farbeffekten bei exotischer Beleuchtung? Was sind insbesondere die Konsequenzen der Verwendung von authentischen Bildern, auf denen Ron Sommer noch wesentlich nachteiliger aussieht als bei einer minimalen Streckung, während dieser Effekt hier offenbar mehr oder minder unbeabsichtigt auftrat?
Was Ron Sommer mit seinem Rechtsstreit eigentlich erreichen wollte, ist aus den aktuellen Quellen überhaupt nicht mehr hervorgegangen. Erreicht hat er sowieso noch nichts, denn das Bundesverfassungsgericht hat lediglich entschieden, was ein Gericht als Begründung heranziehen kann. Die Entscheidung in der "Sache" selbst wird nun wieder vor dem Bundesgerichtshof fallen, an den das Bundesverfassungsgericht den Fall zurückverwiesen hat. Erst dort könnte Ron Sommer einen Sieg erringen. Der Tag heute sah in meinen Augen eher eine Niederlage der Pressefreiheit. Wird dadurch nämlich die Verwendung von Fotos in satirischen Montagen zurückgedrängt? Nein, sie wird, um die Satire gewissenhaft hervorzuheben, die verwendeten Gesichter noch stärker verzerren, aufweichen, farblich verändern und ggf. auf aggressive Weise nachteiliger gestalten!
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so-zi-al am
23.3.05 02:21
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Warmer Spendenregen für MonopolistenSüdostasien wurde von einem Tsunami überrollt und die Menschen dort brauchen Hilfe.
Spendet nicht per Telefon oder per SMS!!!
Wie die treffend untreffend benannte Website spieleflut.de unbedarft mitteilt, gehen bei einer Unicef-Telefonspende unter der Nummer 0900-100 2005 von den 5 Euro, mit denen deine Telefonrechnung belastet wird, nur 4,47 Euro (89,4 Prozent) direkt an UNICEF! Von den 2,99 Euro der SMS-Spende gehen nur 2,65 Euro (88,6 Prozent) an die Nothilfe der UNICEF in Asien! Der jeweilige Rest landet bei großen Telekommunikationsprovidern, die sich natürlich riesig über den warmen Spendenregen freuen werden.
Ein Spendenaufruf im Weblog Lying Toad wendet sich an zwei Millionen Studenten, von denen jeder eine SMS senden solle, um trotz des geringfügigen individuellen Betrags doch ein ordentliches Sümmschen zusammen zu bekommen. Der Provider würde sich in diesem Fall über 680.000 Euro freuen, die entsprechend nicht im Spendentopf landen!
Reinhold Beckmann fordert heute Nacht in seiner Talk-Show auf, die Unicef-Spendennummer doch mehrmals anzurufen - ein Wahnsinn, der den Monopolisten noch mehr zuspielt. Gerade wenn man größere Summen spenden möchte (wovon ich mal ausgehe), sollte man sich der bekannten Kontonummern und des Weges einer normalen (Online-)Überweisung bedienen! Ansonsten gehen bei jedem Anruf Geldbeträge verloren, die an anderen Punkten des Globus gerade viel sinnvoller verwendet und wesentlich dringender gebraucht werden!
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Michael Heinrich ON rot-grünIn "Agenda 2010 und Hartz IV. Vom rot-grünen Neoliberalismus zum Protest" erschienen in PROKLA, Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft, konstatiert Michael Heinrich die Hintergründe des Sozialbbaus und den Niedergang der SPD. Er schließt mit dem kämpferischen Vorschlag: "Vielleicht sollte man endlich wieder anfangen, nicht mehr nur über Alternativen im Kapitalismus, sondern auch über Alternativen zum Kapitalismus zu diskutieren - selbst wenn letztere wahrscheinlich noch lange auf sich warten lassen und man selbst erst einmal als 'Utopist' verschrieen wird." Ja, das muss man tatsächlich. Denn so, wie er die SPD "ab 2006 in der Opposition genau die Politik vollmundig kritisier(en sieh)t, die sie als Regierungspartei selbst betrieben hat", so werden die neoklassischen Wirtschaftsbosse, wie schon im letzten Beitrag beschrieben, Blut geleckt haben und wohl kaum mehr auf ihre Geldmaschine Sozialabbau verzichten wollen, nicht mehr verzichten können. Diesen Herren wird man solidarische Gedanken leider nur noch mit einem Eisen 8 ins Gehirn zurückbugsieren können...
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so-zi-al am
9.11.04 02:01
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Streit um Arbeitsamt-FilialenWelche ist die schlechteste?Als ich es im Radio erstmals hörte, wunderte mich gar nichts: In der Berliner Zeitung stellte der Bundesrechnungshof der Bundesagentur für Arbeit ein vernichtendes Zeugnis für ihre Vermittlungstätigkeit aus. Natürlich ist nicht viel zu vermitteln, das ist schon klar. Da würde ich der Bundesagentur für Arbeit keinen Strick draus drehen. Das aus meiner Sicht wahrhaft pikante Detail der Meldung aber:"Arbeitsvermittler hätten bis zu 65 Bewerber auf eine Stelle vorgeschlagen, ohne dass nach den ersten erfolglosen Vermittlungsversuchen mit dem Arbeitgeber über dessen Erwartungen und das weitere Vorgehen gesprochen worden sei" Welches Verständnis von Stellenvermittlung offenbart sich eigentlich damit? Eigentlich soll das Profil der Stellenberwerber doch vor Ort in der Agentur für Arbeit vorliegen und die Auswahl dem potenziellen Arbeitgeber entgegen kommen, genauso wie die Stellensuchenden zurecht erwarten können, nicht 20 Vorstellungsgespräche führen zu müssen, bei denen in schöner Regelmäßigkeit herauskommt, dass ihr Profil gar nicht gefragt ist. Die einzigen, die sich bei diesem Procedere Arbeit sparen, sind ausgerechnet die Stellenvermittler des Arbeitsamtes, die ihre Vermittlungstätigkeit auf ein bloßes Hinschicken reduzieren. Die sich also in ihrer Kerntätigkeit als Versager herausstellt.
Hochinteressant sind die Ausreden der BA, die den Bundesrechnungshof kritisierte, Filialen für die Stichprobenuntersuchung ausgewählt zu haben, nachzulesen in der Tagesschau: "Nach Angaben von BA-Sprecherin Ingrid Kortmeyer-Pohl beruhen die Zahlen auf einer Stichprobe des Rechnungshofes im ersten Quartal 2004 aus drei Agenturen für Arbeit, die noch nicht auf die neuen Arbeitsstrukturen umgestellt worden seien." Welche Wirkung sollen denn neue Arbeitsstrukturen erzielen, wenn es am rechten Geiste krankt, die Stellenbewerber und die dazu passenden Stellen zusammenbringen zu wollen???
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so-zi-al am
17.10.04 14:20
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Teuflische GemeinsamkeitenWas haben Neoliberalismus und Neonationalsozialismus gemeinsam? Haben sie überhaupt etwas gemeinsam? Nun, die Parallelen fallen vielleicht nicht auf den ersten Blick ins Auge, aber umso offenbarender:- Beide Ideologien sind nicht einfach nur konervativ, sie sind rückwärts gerichtet, auf ihre jeweilige Art der Barbarei.
- Beide Ideologien sind in ihrem Denken auf Massen ausgerichtet.
- Der Neonationalsozialismus verleugnet Auschwitz, der Neoliberalismus verleugnet das menschliche Subjekt als Primat gegenüber dem Kapitalismus als Wirtschaftssystem im Dienste der Gemeinschaft.
Na?
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so-zi-al am
13.10.04 23:37
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August-WahnsinnSchon am 12. August brachte die NETZEITUNG ein Interview mit dem Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Professor Dr. Klaus F. Zimmermann, in dem er ganz klar zum Ausdruck brachte, was andere lediglich befürchten: "Die Globalisierung fordert ein größeres Gefälle zwischen Arm und Reich" Die neoliberale Gleichschaltung des DIW kommentiert Albrecht Müller auf seinen NachDenkSeiten. Dieses Interview ist ihm möglicherweise genauso entgangen wie mir, denn allein der Titel wäre ein gefundenes Fressen für ihn gewesen. Die maßlos naive Personifizierung der Globalisierung ist eigentlich einen Cartoon wert!
Gemäß dem neoliberalen Expose verleugnet natürlich auch Zimmermann jede Alternative zur Agenda 2010. Globalisierung ist demnach eine Schiene, die der Zug der Entwicklung einfach abfahren muss; das Tempo ist variabel, nicht aber das Ziel: "Umverteilung - zum Beispiel durch Transferleistungen - ist im Rahmen der Globalisierung nur in einem geringen Umfang möglich. Der Sozialstaat wird nicht verschwinden, aber es wird eine Angleichung auf einem niedrigeren Niveau stattfinden."
Besonders bedauerlich an dem Interview ist, dass so eine gequirlte Kacke herauskommen kann, obwohl die NETZEITUNG (Marcus Gatzke und Markus Scheffler) durchaus die richtigen Fragen stellte: "Wird der Standort Deutschland nicht schlecht geredet? Fast jeden Abend diskutieren in den Talkshows die immer gleichen Gäste mit immer gleichen Worthülsen über die Krise in Deutschland."
Besonders erkenntnisreich sind diese Aspekte:Netzeitung: Unter Hartz steht derjenige besser da, der sein Leben lang sein ganzes Geld ausgegeben hat. Bürger, die etwas auf die hohe Kante gelegt haben, werden bestraft. Ist Hartz IV sozial gerecht?
Zimmermann: Wir wollen natürlich, das die Menschen sparen und für das Alter vorsorgen. In diesem Sinne erscheinen alle Maßnahmen, die an der Bedürftigkeit ansetzen, als nicht gerecht, weil sie den belohnen, der für die Gegenwart lebt.
Je höher die Freigrenzen sind, desto geringer ist aber der Anreiz, eine Arbeit aufzunehmen. Zudem sollen mit den Reformen ja auch die sozialen Sicherungssysteme entlastet werden. Denn es muss auch gefragt werden, wer das alles bezahlt: Zum einen natürlich der Arbeitslose selber, weil er auch aufgrund der hohen Kosten für die Sicherungssysteme seinen Job verloren hat. Zum anderen aber auch die Arbeitnehmer, die mit einer steigenden Schere zwischen Brutto- und Nettolöhnen bestraft werden. Wir halten fest: Weil die Kosten für die Arbeitslosigkeitsabsicherung so hoch sind, wird man arbeitslos. - Ist es nicht eher so, dass die Kosten für die Arbeitslosigkeitsabsicherung so hoch sind, weil so viele Menschen arbeitslos sind? (Nur am Rande: Was ist eine "steigende Schere"?)Netzeitung: Wir brauchen einen Niedriglohnsektor für die wachsende Zahl von gering qualifizierten und bessere Bedingungen für gut ausgebildete Arbeitskräfte, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Globalisierung führt also automatisch dazu, dass die Einkommensschere innerhalb einer Volkswirtschaft immer weiter aufgeht?
Zimmermann: Richtig. Wer versucht, das aufzuhalten - zu denen gehören wir auch – hat ein Problem. Die gering qualifizierten bekommen einen zu hohen Lohn oder zu hohe Lohnersatzleistungen, und die gut ausgebildeten müssen dies mit höheren Abgaben und Steuern bezahlen.
Die Spanne in der Waage zu halten, ist ein gesellschaftspolitischer Wert an sich. Nur in der Phase, in der wir uns zur Zeit befinden, fordert die Globalisierung ein größeres Gefälle zwischen Arm und Reich in Deutschland.
Wenn wir uns dem Druck nicht beugen, schaffen wir mehr Arbeitslosigkeit im gering qualifizierten Bereich, und gleichzeitig wandern uns die qualifizierten Arbeitskräfte ab. Unsere Wettbewerbsfähigkeit wird dadurch immer schlechter. (… ) Zudem sind die Bedingungen im Ausland für gut ausgebildete Leute schon jetzt oftmals besser als in Deutschland – viele werden auswandern und tun dies schon heute. Wir halten wieder fest: Die gering Qualifizierten werden immer mehr und müssen schlechter bezahlt werden oder sie müssen besser qualifiziert werden und mehr bekommen. Die qualifizierten Fachkräfte aber wandern aus. Fragt sich nur, wohin sie auswandern und unter welchen Bedingungen. Die meisten dieser Fälle dürften im Auftrag eines deutschen Konzerns in der Welt herumstromern, den Völern der Gaststaaten denselben Käse weismachen und dort die einheimischen Geringqualifizierten klein halten und selbst die Rolle der Qualifizierten einnehmen, die mehr Geld bekommen müssen - damit sie nicht in die Heimat zurückkehren und dem Gastland dann nicht mehr zur Verfügung stünden!Netzeitung: Die Lösung des Problems kann also nicht nur sein, einen Niedriglohnsektor für Langzeitarbeitslose zu schaffen. Wir brauchen auch viel mehr qualifizierte Arbeitskräfte?
Zimmermann: Das ist richtig, wir haben ein doppeltes Problem. Wir haben zu wenig qualifizierte und zu viel unqualifizierte Arbeitskräfte und die Schere wird künftig weiter aufgehen. Der Anteil derer, die schlecht ausgebildet sind, wird weiter deutlich zunehmen. Danke, Herr Zimmermann, FDIK!
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so-zi-al am
7.10.04 02:20
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