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Heinrich Mann - ein Held!

Schon ulkig! Da kämpfe ich mich 200 Seiten lang durch das Buch "Die kleine Stadt" von Heinrich Mann, das man diese 200 Seiten lang auch getrost als Machwerk bezeichnen kann, nur einmal kurz unterbrochen an einer einzigen Stelle, wo man wenigstens im Vorüberlesen innehält und bemerkt: "Ach, das Buch wurde doch von einem Mann mit Schriftstellerqualitäten geschrieben!" (auch wenn ich diese Stelle nicht einmal im Notizbuch festgehalten habe), und dann - urplötzlich - auf den Seiten 223 (mit Ausläufern auf den Seiten 224f) und 224 (der Suhrkamp- Taschenbuchausgabe 3176 aus dem Jahr 2000) kommt ein literarischer Doppelschlag, der Heinrich Mann in meinen Augen glatt zum Helden macht!

Zunächst genriert er eine Idee, die mir selbst erst vor wenigen Tagen durch den Kopf ging, nämlich die Akzentuierung der staatlichen Gewalt in Macht einerseits in den Händen der Avantgarde und Kontrolle andererseits in den Händen der Konservativen, dass also die progressiven Kräfte institutionell mit der Macht und die konservativen Kräfte institutionell mit der Kontrolle ausgestattet werden.

Heinrich Mann stellt dies aus der Position des Advokaten Ferruccio Belotti so dar:
"Es ist nur eine kleine Abrechnung, die ich mit Freund Camuzzi [dem Gemeindesekretär Ghino Camuzzi] halte. Denn, Herr Camuzzi, sehen wir nur genau zu, und wir werden finden, daß in dieser Stadt keine Neuerung, kein Fortschritt, kein dem Volke zu leistender Dienst je anders bewirkt worden ist als gegen Sie und durch mich. Wer hat sich gegen die Wiederherstellung der Vizinalwege gesträubt und wer hat sie druchgesetzt? Wer hat den armen Frauen ihr wohlverdientes Waschhaus vorenthalten wollen, und wer hat es ihnen verschafft? An die kaum beendeten Kämpfe um das elektrische Licht und das Theater brauche ich Sie nicht zu erinnern. Sie waren nie dafür, daß irgend etwas geschähe. Man kann sagen, daß Sie, Herr Camuzzi, der Geist der Verneinung selbst sind und ich, der Advokat Belotti, der Genius der Tat! (...) Wäre ich die Persönlichkeit geworden, für die alle mich halten, wenn ich nicht Sie gehabt hätte, Camuzzi? Vielleicht mußte Ihr Widerspruch meinen schöpferischen Drang anstacheln, damit Waschhaus und Theater, Vizinalwege und Licht entstehen konnten. Zuweilen denke ich mir: wenn einst der greise Vertreter unserer politischen Wählerschaft zurücktritt -. Sie verziehen das Gesicht, Camuzzi, aber der Cavaliere Lanzerotti wird dennoch zurücktreten, und kann sein, daß das Volk mir selbst die Ehre erweist, mich als seinen Deputierten in die Hauptstadt zu schicken -: dann, so denke ich mir, wäre es gut, wenn ich auch in der Kammer Sie, Camuzzi, wiederfände; denn Sie würden mich größer machen... Ich sei groß in Worten, sagen Sie? Sie wissen nicht, Freund, was Begeisterung ist, sonst wären Sie heute abend [nach der Theateraufführung] begeistert!"

Anschließend besprechen Frau Camuzzi und der intrigante Herr Savezzo - eigentlich im Dialog, hier in einer Rede zusammengefasst - folgendes:
"Wer weiß, was aus uns geworden wäre, aus einem Manne von so großem Talent, aus einer vielleicht nicht ganz gewöhnlichen Frau, wenn wir anderswo hätten leben können, in einer großen Stadt unter Menschen ohne Vorurteile, in einem wütenden Spiel von Interessen und Leidenschaften. Wem sagen Sie es? Sie treiben vom Grunde meines Daseins mit einem Hebeldruck alle Bitterkeit herauf. Dort wäre man vielleicht ein Politiker, der eine Welt in Bewegung setzt, der Liebhaber mächtiger Damen, ein großer Dichter, durch den das nationale Gewissen spricht. Zu allem fühle ich mich berufen. Hier gehört man keiner der herrschenden Familien an, und damit ist man abgetan und zum Neide verdammt auf jeden, der hervorragt. Hier hat man einen Mann, der Gemeindesekretär ist und bleibt. Man muß heucheln: heuceln um sein vergügen, heucheln um seinen Schmerz. Ist es vielleicht die Falschheit des ganzen Jahres, die uns heute abend gegeneinander so offen macht? Oder ist nicht nur der Maestro durch jene Musik in Aufruhr gebracht?"
Damit erledigt Heinrich Mann nämlich sehr simpel die unselige "Neiddebatte", die auch in unseren Tagen wieder verstärkt beschworen wird; denn wer ist in einer Gesellschaft mit dem Verfassungsauftrag der Gleichheit der Menschen ins moralische Hintertreffen geraten? Der Neidische - oder nicht viel mehr der Beneidete?!

Danach wird das Buch auch schriftstellerisch deutlich besser, etwa wenn die Primadonna Flora Garlinda dem Advokaten bescheinigt, sie habe keinen Moment den Verdacht gehegt, er sei "wie die anderen Menschen, die sich von der der Frau für das belohnen lassen, was sie für die Künstlerin tun". Man darf also gespannt sein, wie es mit der "kleinen Stadt" weitergeht!

Artikel 3 Grundgesetz
(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
26.4.08 11:08
 
Letzte Einträge: Entschuldigung, Einladung zur Gerichtsverhandlung, Schwarzfahrer-Demo am Donnerstag, Alles Einstellungssache!


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