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Das Streben nach Glück?

Gestern Abend lief "Das Streben nach Glück" mit Will Smith in der Hauptrolle als fürsorgender Vater, der alle Anstrengungen auf sich nimmt, um mit seinem Sohn "über die Runden zu kommen", ihn womöglich glücklich machen zu können, trotz Obdachlosigkeit und miesen Aussichten. Hört sich gut an? Nö, das ist ein übler Drecksfilm! Er präsentiert ein unglaublich pervertiertes Weltbild! Ich wartete die letzte Viertelstunde darauf, dass "Das Streben nach Glück" noch irgendwie die Kurve hinbekommt, doch vergebens: Chris Gardner bekam den Job als Broker - und das wurde als Happy End gehandelt! Was für ein Schock! Dass ernsthaft als Glück dargestellt wird, wie er am Ende Broker wird, hängt freilich damit zusammen, dass der Film eine wirkliche Begebenheit nacherzählt, nämlich das Leben des realen Chris Gardner. Wenn dem aber so ist, dann hätte man den Stoff auch nicht zu verfilmen brauchen. Was soll der Anreiz dafür gewesen sein, eine so uninteressante Story zu verfilmen? Wenn man so ausführlich und eindringlich eine pervertierte Welt darstellt und damit immanent wirkende Gesellschaftskritik anbringt, dann kann man es nicht durch ein Happy End so brutal relativieren. Im rtv-Programm, im TV-Programm "Einkauf aktuell" und sicher in vielen anderen Programmzeitschriften auch hat dieser Film eine hohe Bewertung bekommen. Unglaublich! Ein solcher Schund!

Wie läuft die Handlung ab: Chris Gardner ist Vertreter für Knochendichtemessgeräte und verkauft sie dummerweise nicht im Auftrag des Herstellers, sondern in eigener Verantwortung, sprich: Verkauft er einen Monat kein Gerät, hat er kein Einkommen. Dabei hat er auch noch ziemliches Pech, weil ihm in seinem guten Glauben an die Menschen bzw. an die Welt immer wieder Geräte verlustig gehen, die er sich kurioserweise jedoch immer wieder zurückholen kann. Seine Frau schiebt schon Doppelschichten, damit sie was zu beißen haben, aber als die Zahlung der Miete nicht mehr hinhaut, haut sie ab. Der Sohn bleibt beim Vater, weil der meint, ernsthafter um das Wohlergehen des Kindes bemüht zu sein. Hier wird schon die ganze Tragik unseres aktuellen Wirtschaftssystems deutlich: Sie arbeiten wie die Bekloppten und kommen doch nicht über die Runden. Sohn Christopher ist bei einer "Tagesmutter", bei der die Kids vor dem Fernseher ("Love Boat", "Bonanza") ruhiggestellt werden, damit die Eltern unverzagt malochen können. Statt im Vertrauen auf eine gesicherte Existenz ein guter Vater und ein guter Verkäufer sein zu können, der die Gegebenheiten vor Ort abwägen kann, muss Chris auf Teufel komm raus die Knochendichtemessgeräte an den Mann bringen, also nicht etwa um Knochendichtemessungen zu dem Zeitpunkt sicherzustellen, zu dem sie gebraucht werden, sondern unmittelbar zum Zweck der eigenen Existenzsicherung. Wie bekloppt! Nun müssen sie auch noch umziehen in ein Motel (angeblich weil es billiger ist als die Mietswohnung - wie immer das möglich sein soll!), und Chris strauchelt zufällig (durch die Begegnung mit einem Porschefahrer und das Lösen des Rubik's Cube während einer Taxifahrt) in eine unbezahlte Praktikumsstelle als Makler, die er als Chance wahrnimmt, obwohl sich weitere 19 Mitbewerber um eine am Ende eines halben Jahres zu vergebende Festanstellung auf diese Weise ausbeuten lassen! Wie überaus bekloppt! Dank besagtem Pech und weil er mit dem Praktikumsjob natürlich viel um die Ohren hat, kann Chris irgendwann auch die Miete im Motel nicht mehr bezahlen, sodass er und Christopher auf die Straße gesetzt werden. Sie übernachten fortan im Obdachlosenasyl oder, wenn das voll ist, auf Bahnhöfen, in der U-Bahn oder auch mal in der Toilette der U-Bahn-Station, während das sonstige Leben wie gehabt weitergeht. Als er eines Tages aufgrund von Zumutungen aufgrund seine Status als Praktikant einen Termin mit einem hohen Wirtschaftsboss verpasst, sucht er ihn Tage später auf, um sich wenigstens zu entschuldigen. Da er mit seinem Knochendichtemessgerät und seinem Sohn anrückt und etwas vom Footballstadion erzählt, nimmt ihn der Mann kurzerhand mit zu den San Francisco 49ers, was problemlos geht, weil ihm eine Box gehört, und sich anbietet, weil er selbst mit Sohnemann hin will. Dort kann Chris einige wertvolle Kontakte knüpfen, die sich als tausendmal wertvoller herausstellen als die telefonische Kaltaquise. Daher dürfte es am Ende auch weniger seine Prüfung gewesen sein, die für seine Einstellung entscheidend war, als vielmehr der Erfolg auf Basis dieser Kontakte. Symbolisch erhält er sogar die 5 Dollar zurück, die er einem der Bosse mal zur Begleichung von dessen Taxirechnung geliehen hatte, obwohl er selbst kaum Geld für Nahrungsmittel hatte (was er vor den Bossen aber genauso verschwiegen hat wie seine Obdachlosigkeit). Chris feiert seine Einstellung erst für sich, dann mit seinem Sohn - und dann hört der Film schon auf und berichtet in Textform von der einträglichen Brokerkarriere des Chris Gardner.

Super! Soll das jetzt also heißen, dass jeder es vom Tellerwäscher zum Millionär schaffen kann? Soll viel Arbeit und viel Einsatz und Duldung aller möglichen und unmöglichen Zustände auf mehr oder weniger verschlungenen Wegen zum Erfolg führen? Was ist mit den 19 anderen Praktikanten, die nach einem halben Jahr harter Arbeit wieder vor dem Nichts stehen, weil das Praktikum, wie es zuvor hieß, im Falle ausbleibenden Erfolgs nicht einmal zu einer Bewerbung bei der Konkurrenz befähige? Was ist mit der Zeit der Obdachlosigkeit des kleinen Christopher, zu der er nicht das geringste beigetragen hat? Soll er das als Erfahrung für seinen Eintritt in die Arbeitswelt abhaken, als Anreiz dafür, selbst immer alles zu geben, um nie wieder in eine solche Situation zu geraten? Was ist mit seiner Mutter, die von Chris einen Erfolg erwartet hat, um den er doch mit allen Kräften gerungen, den ihm die Gesellschaft aber einfach nicht vermitteln wollte und dessen Ausbleiben schließlich (als externe Ursache!) zur Trennung führte? Und schließlich: In welcher Relation stehen der gezeigte Einsatz und der daraus resultierende "Erfolg", nämlich nicht mehr als die Chance, eine sinnstiftende Erwerbstätigkeit antreten zu können, die ohnehin jedem Menschen aufgrund des Gesellschaftsvertrages so lange zusteht, bis man diese Tätigkeit findet??

Der Film "Das Streben nach Glück" zementiert nur die ungeheuer verbreitete Ansicht, man könne sich durch Engagement und Einsatz im System den Platz an der Sonne erkämpfen. Vereinzelt mag das tatsächlich gelingen, aber es ändert nichts daran, dass dieser Platz so vielen so unfair verweigert wird, obwohl er innerhalb einer zivilisierten Gesellschaft allen zusteht. Wenn sich jemand durch Engagement und Einsatz auszuzeichnen beabsichtigt, dann bitte durch Engagement und Einsatz für das System, für eine gerechtere Neugestaltung des gesellschaftlichen Zusammenlebens mit Grundeinkommen und solidarischer Arbeitsteilung!

Interessant ist der Zusammenhang, den man zwischen diesem, "Das Streben nach Glück", und dem tags zuvor gelaufenen Film "Hidalgo - 3000 Meilen zum Ruhm" konstruieren kann. Darin geht es um ein 3000-Meilen-Pferderennen durch die Wüste. Wie Chris Gardner muss auch Frank Hopkins als Außenseiter antreten, existenzielle Entbehrungen auf sich nehmen, mit gewissen "familiären" Verpflichtungen klarkommen, ein unerreichbar scheinendes Ziel anstreben. Die Unterschiede scheinen gering, und doch sind sie von entscheidender Bedeutung: Die Entbehrungen, die Cowboy Frank Hopkins auf sich nimmt, sind naturgegebener Art! Beschrieben wird in diesem Film nämlich ein Kampf an der "Frontier", an den Grenzen der Zivilisation, die Eroberung der Wildnis, eine Erschließung für die Zivilisation! Das sind gänzlich andere Voraussetzungen, als der Kampf, den Chris Gardner mit den menschengemachten Begrenzungen der Glücksfähigkeit führt! Auch heute noch kämpfen einige wenige Menschen an der "Frontier", an den Vorposten der Zivilisation. Aber der Rest von uns muss sich auf die Zivilisation verlassen können!

Es gibt übrigens einen ausgezeichneten Film, der das vergebliche Bemühen eines Vaters (von Eltern) um das bessere Leben des Kindes im System thematisiert, solange das System selbst dysfunktional ist und nach Systemveränderung geradezu schreit: Robots!
11.5.09 14:49
 
Letzte Einträge: Entschuldigung, Einladung zur Gerichtsverhandlung, Schwarzfahrer-Demo am Donnerstag, Alles Einstellungssache!, Wieder kein Sozialicket!


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bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Pankefuchs (11.5.09 15:51)
Man benötigt, um das System zu verstehen, nur ein ganz klein wenig Grips.
Eine Tatsache: Oben wird die Luft dünner. Soll heißen: Je höher, je mehr Geld - je weniger Posten gibt es. Einfach Aussage: ES KÖNNEN nicht ALLE OBEN sein!
Zweite Tatsache: Solange Menschen Kredite aufnehmen und Zinsen zahlen müssen, solange wird es keine Gerechtigkeit, solange wird es arm und reich geben. Die Zinsen müssen irgendwo herkommen. Und irgendwann, am Ende der Kette, kommt kein Geld mehr nach (Pleite des Schuldners). So wandert, Stück für Stück, dass Geld immer in eine Richtung!
Wohin ?!
Dem Volk muss man nur mit den Gltzermedien die Augen zudrücken, so dass es sich über die tolle Welt der Reichen freut. Und was direkt, ausserhalb der Glitzermedien geschieht, merkt es erst wenn das Elend an die Tür klopft!


Manfred / Website (12.5.09 13:58)
Zumindest der Programmzeitschrift "rtv" musste ich doch mal eine Kritik der Bewertung von "Das Streben nach Glück" zukommen lassen:


Sehr geehrte Damen und Herren,

nachdem ich den von Ihrer Zeitung mit drei Sternen als "Top" ausgezeichneten Film "Das Streben nach Glück" gesehen hatte, war ich über diese mehr als überzogene Bewertung sehr verwundert. Zwar ist die schauspielerische Leistung in jeder Hinsicht Top, zwar präsentiert der Film einen gelungenen Handlungsansatz, doch der Hinweis "Nach einer wahren Begebenheit", der unter gewöhnlichen Umständen das Zuschauerinteresse herausragend zu fokussieren in der Lage ist, stellt sich hier als ruinöses Handicap heraus.

Statt die Tragikomödie in kathartischer Weise wirken zu lassen, wie Menschen selbst mit Kindern innerhalb unserer menschlichen Gesellschaft, die wir schon mal als "Zivilisation" zu bezeichnen wagen, von ihren Mitmenschen zum Straucheln und ggf. sogar zum Scheitern gebracht werden, wird ein diametral entgegengesetztes Happy End aufgetischt, das diese Wirkung faktisch aufhebt oder womöglich ins Gegenteil verkehrt. Es weckt die illusorische Hoffnung, dass jeder es vom Tellerwäscher zum Millionär bringen könnte, wenn er sich nur nach Kräften anstrengt, sein Ziel anzustreben - gleich wie künstlich die sich entgegenstemmenden Hindernisse (im Film die absurde gesellschaftliche Dysfunktionalität) sind, egal wie viele Gegenbeispiele man anbringen könnte (im Film die 19 anderen Praktikanten und Hunderte, die auch weiterhin vor dem Obdachlosenasyl anstehen werden).

Nein, "Das Streben nach Glück" war wirklich kein guter Film. Selbst ein Stern wäre noch zuviel der Ehre gewesen, wenn Sie darunter eine "Geschmackssache" verstehen. Die von "Das Streben nach Glück" transportierte Moral ist asozial und pervers!

Mit freundlichen Grüßen
Manfred Bartl


Margitta / Website (13.5.09 07:17)
Da ich seit seit Jahren kommerzielle Sender prinzipiell meide, ist mir der Film entgangen. Mit Blick auf Deine Analyse habe ich ja wohl nichts verpasst. Für Filme dieser Art würde ich einen Warnhinweis, in etwa wie bei Zigaretten empfehlen. Ob es die mittlerweile zu Roboter mutierenden Menschen dann abhalten würde, sich derlei anzusehen, ist wohl eher fraglich.

Danke für Deine tolle Seite.

Liebe Grüße
Margitta Lamers


blorg / Website (20.5.09 02:21)
überraschender Weise hatte ich ähnlich Gedanken, als ich den Film im Kino gesehen habe. Ich hätte es vielleicht kürzer gefasst, aber wenn der gedankenfluss schon einmal so schön schwillt, nicht wahr? :D

ich find deinen Blog nebenbei recht interesant~
werd' ihn sicher demnächst mal erwähnen^^

greetz

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