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Fatal einseitig

Nach der "Do ut des"-Ausarbeitung (s. vorheriger Beitrag) und dem erhellenden Vortrag von Prof. Karl-Heinz Brodbeck zur "Herrschaft des Geldes" stellte sich eine weitere Erkenntnis ein. Wenn Geld eine vergesellschaftende Form ist und für die Gesellschaft eine ähnliche und ähnlich wichtige Funktion hat wie die Sprache, dann ist es völlig unergründlich, warum das "Do ut des" beim Handeln, also bei der Abgabe der Kaufkraft, so völlig verinnerlicht ist, dass so viele Menschen beim Gedanken an die Abschaffung des Geldes nur rückwärts gewandt eine Tauschwirtschaft antizipieren können, das "Do ut des" aber bei der Arbeit, also bei der Aufnahme der Kaufkraft, bei so vielen Menschen überhaupt keine Rolle zu spielen scheint, wenn sie einen schlecht bezahlten Arbeitsvertrag (natürlich mehr oder minder) freiwillig unterschreiben, sich in ihrem Job unterbuttern lassen oder Verzicht üben zur "Rettung" ihres Unternehmens, sie eine Gewerkschaft unterstützen, die maximal eine (systemwidrige) Arbeitsplatzsicherung betreibt, wegen der schlechten Bezahlung im Job einen Zweit- oder sogar Drittjob in Kauf nehmen, Zeitarbeit als "normale" Arbeit ansehen, sich 38 oder 42 Stunden pro Woche oder mit - womöglich unbezahlten - Überstunden noch darüber hinaus ausbeuten lassen, obwohl nach den Produktivitätsfortschritten der letzten 25 Jahre längst eine 25-Stunden-Woche angesagt wäre, auf die Auszahlung von sozialen Ansprüchen verzichten, sich gar in einen menschenverachtenden "Ein-Euro-Job" pressen lassen! Das passt doch gar nicht zusammen!

Wenn es wenigstens nur die Exkludierten wären, die so apathisch handelten, dann wäre es einigermaßen nachvollziehbar. Dass aber auch so viele Beschäftigte auf ihren angestammten Platz in der Gesellschaft verzichten - ganz zu schweigen vom Anspruch auf einen gerechten Platz in einer gerechten Gesellschaft! -, macht die Sache extrem tragisch! Die Leute, die kollektiv auf Urlaubs-, Weihnachtsgeld und womöglich weitere Lohnanteile verzichtet haben, bevor ihr Unternehmen dann doch in die Insolvenz geht, erwähnte ich bereits implizit. Noch schlimmer ist es bei denen, die auch funktional gar nicht mehr funktionieren aufgrund der von ihnen selbst zugelassenen Prekarität in ihren Jobs. Da sind die Kontrolleure im Bus, die mich nicht aufgeschrieben haben, als ich mich ihnen als Schwarzfahrer offenbarte, weil sie es einfach nicht begreifen konnten. Denen hätte ich am liebsten nachgerufen: "Ich bin Schwarzfahrer! Dass Ihr mich nicht aufschreibt, muss ich wohl als Anzeichen Eurer fachlichen Inkompetenz auffassen. Lasst uns einfach tauschen: Ich Kontrolleur und Ihr Hartz IV!" Da ist der Abteilungsleiter eines Kaufhauses, bei dem ich ein paar ohnehin herabgesetzte Kinderbücher als Spende für die Schülerarbeitsbibliothek einer Grundschule in derselben Stadt als Spende erbetteln wollte, der erst einmal die Geschäftsführung befragen musste, bevor es mir die Bücher für einen lediglich nochmals reduzierten Preis überlassen konnte. Der Abteilungsleiter leitet die Abteilung; er ist der Geschäftsführer der Abteilung! Warum meint der Geschäftsführer der Abteilung die Geschäftsführung des Warenhauses wegen einer solchen Lappalie behelligen zu müssen???

Nun gut, mir fällt die Antwort leicht: aus Angst! Diese Angst ist natürlich absolut irrational! Konkret wäre sie als "Angst vor dem Arbeitsplatzverlust" zu benennen (doch egal, Arbeitslosigkeit ist kein Problem, es gibt Arbeitslosengeld I und die - zumindest theoretische! - Aussicht auf den nächsten Arbeitsplatz) oder als "Angst vor Hartz IV" (doch was soll das? Hartz IV ist doch keine Strafe, sondern ein grundrechtlicher Anspruch gegenüber der Solidargemeinschaft, der - zumindest theoretisch! - das Grundrecht auf soziokulturelle Teilhabe abdecken soll!). Meine Einschränkungen machen wohl klar, dass ich nicht etwa ein zu sonniges Gemüt pflege, aber diese Einschränkungen sind offenkundig nicht der (Langzeit-)Arbeitslosigkeit selbst geschuldet, in die man geraten könnte, sondern der Ausgestaltung von Arbeitsmarkt und Grundsicherung! Man darf doch vor der Arbeitslosigkeit an sich keine Angst entwickeln, bloß weil die davon unabhängigen Problemfelder Arbeitsmarkt und Grundsicherung suboptimal organisiert sind. Anders herum formuliert: Wegen suboptimal organisierten Arbeitsmarkt- und Grundsicherungsangelegenheiten muss man sich nicht künstlich präventiv gegen Arbeitslosigkeit wehren, sondern sollte sich aus der eventuellen Arbeitslosigkeit heraus (aber auch schon vorher) gegen die suboptimale Organisation von Arbeitsmarkt und Grundsicherung wehren!

Mit anderen Worten: Das Problem ist ein psychologisches: Wir haben es mit einem massenweise auftretenden Minderwertigkeitskomplex zu tun! Viele Menschen (womöglich die Mehrheit) verkaufen der Gesellschaft ihre Leistung unter Wert, lassen sich - bisweilen wider besseres Wissen - vorschreiben, was gut für sie wäre, lassen den Missbrauch ihres Vertrauens in das Geld als Zahlungsmittel wehrlos über sich ergehen und verlieren damit sowohl das Geld als Quantität als auch das Vertrauen ins Geld und damit die Grundlage von Geld und damit von (ökonomischer) Vergesellschaftung nach Prof. Brodbeck!

Aufgabe der Gewerkschaften als Organe der Arbeiterklasse müsste es also sein, den Menschen ihren Wert zu vermitteln. Sie dürften nicht einfach nur einen Mindestlohn von 10 Euro fordern, sondern müssten all diejenigen, die tatsächlich einen Lohn von unter 10 Euro die Stunde bekommen, dazu anhalten, ihren Job sofort zu kündigen! Niemals dürften Gewerkschaften Arbeiter und Angestellte dazu anhalten, auf Ansprüche aus ihrer Arbeit zu verzichten, etwa um ein Unternehmen zu "retten", sondern müssten den Menschen klarmachen, dass ein Unternehmen, das seine Arbeitskräfte nicht bezahlen kann, für die Gesellschaft wertlos geworden ist und schnellstmöglich abgewickelt gehört, weil es sonst zum Selbstzweck im Namen des "Unternehmers" wird, was natürlich ganz besonders schlimm ist, wenn "der Unternehmer" eine Private-Equity-Gesellschaft und also eine Heuschrecke ist! Die Gewerkschaften müssten das voranschreitende Outsourcing, die Privatisierung und das ganze Private-Public-Partnership-Unwesen, die gesamte Zeit- und Leiharbeitsbranche und all jenes ganz praktisch und unumkehrbar unmöglich machen, was der Arbeiterklasse ihr Selbstwertgefühl raubt und damit das vergesellschaftende Agens der kapitalistischen Wirtschaftsweise zum Nachteil aller unbrauchbar werden lässt. Dem daraus zu phantasierenden Zusammenbruch der Wirtschaftsform Kapitalismus geht nämlich dummerweise der Zusammenbruch der Gesellschaft voraus, wie wir es - leider, leider, leider - in Griechenland noch erleben werden...

Leute, Ihr seid was wert! Wenn Ihr als konstituierende Bestandteile dieser Gesellschaft Euch was wert seid, dann muss Euch auch die Gesellschaft etwas wert sein! Lasst nicht zu, dass sie unter die Räder einer schlicht inhumanen (meist als neoklassisch, neoliberal und neokonservativ euphemistsich verbrämten) Elite gerät, einfach indem Ihr nicht zulasst, dass Ihr unter die Räder geratet! Und wo es nötig ist: Kämpft!


PS: Wem das revolutionär erscheint - das ist es! Aber nicht, weil ich die Revolution (sozial)romantisch verbrämen wollte, sondern weil Ihr schon viel zu viel zugelassen habt, um noch mit den Mitteln von Demokratie und Rechtsstaat eine Weiterentwicklung zu erreichen oder den Rückwärtsgang einlegen zu können bis zu der Stelle, wo Ihr Euch verstärkt hättet engagieren (der SPD ihr sozialdemokratisches Potenzial bewahren und die kommunistischen Kräfte stärken) und Euch (gegen Kohl etwa) wehren müssen, statt die Hände in den Schoß zu legen !
23.7.11 14:44
 
Letzte Einträge: Entschuldigung, Einladung zur Gerichtsverhandlung, Schwarzfahrer-Demo am Donnerstag, Alles Einstellungssache!, Wieder kein Sozialicket!


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